Was fressen Eichhörnchen? Die große Futterliste

7 minuten Allgemein

Was fressen Eichhörnchen?
Die große Futterliste

Von Nüssen und Samen bis zu Mehlwürmerlarven – die Ernährung des Eurasischen Eichhörnchens ist vielfältiger als viele denken. Hier finden Sie die vollständige Übersicht, was Sie zufüttern dürfen und was schadet.

130+ Nahrungspflanzen in der Wildnis
3–5 kg Wintervorrat pro Tier
10 g Tagesbedarf (Trockengewicht)

Eichhörnchen gehören zu den beliebtesten Wildtieren in deutschen Gärten und Parks – und gleichzeitig zu den am häufigsten falsch gefütterten. Wer ein Eichhörnchen mit Weißbrot, gesalzenen Nüssen oder Süßigkeiten versorgt, meint es gut, schadet dem Tier aber erheblich. Dieser Artikel gibt Ihnen eine vollständige, wissenschaftlich fundierte Futterliste an die Hand und erklärt, wie eine artgerechte Zufütterung aussieht.

Das Eurasische Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) ist ein opportunistischer Allesfresser, der sein Nahrungsspektrum je nach Jahreszeit, Lebensraum und Verfügbarkeit anpasst. Die Grundregel lautet: So naturbelassen wie möglich, so abwechslungsreich wie nötig.

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Natürliche Nahrung in der Wildnis

In freier Natur decken Eichhörnchen ihren Energiebedarf aus einem breiten Spektrum pflanzlicher und tierischer Quellen. Das Angebot wechselt mit den Jahreszeiten:

Samen und Nüsse (Hauptnahrung): Haselnüsse, Walnüsse, Bucheckern, Eicheln, Kiefernsamen, Fichtenzapfen, Erlensamen und Birkensamen bilden den kalorischen Kern der Ernährung. Besonders Samen aus Nadelzapfen werden mit chirurgischer Präzision herausgelöst.

Früchte und Beeren: Holunderbeeren, Brombeeren, Himbeeren, Vogelkirschen, Schlehen und wilde Äpfel werden gerne angenommen, sobald sie reif sind. Der hohe Zuckergehalt hilft beim Aufbau von Fettreserven vor dem Winter.

Pilze: Eichhörnchen fressen viele Pilzarten – auch solche, die für Menschen giftig wären, wie den Fliegenpilz. Überschüssige Pilze werden zum Trocknen in Astgabeln gehängt, ein bemerkenswertes Verhalten, das ihnen als Wintervorrat dient.

Knospen, Blüten und Rinde: Im Frühjahr, wenn andere Nahrung knapp ist, greifen Eichhörnchen auf Baumknospen, Blütenstände und die weiche Innenrinde junger Äste zurück. Dies kann in forstlichen Monokulturen zu Schäden führen.

Tierische Kost: Eichhörnchen nehmen opportunistisch Mehlwürmer, Larven, Vogeleier und gelegentlich kleine Wirbeltiere auf. Dieser Anteil ist mengenmäßig gering, liefert aber wichtige Proteine und essentielle Aminosäuren – besonders in der Reproduktionsphase.

7 Monate aktive Vorrats­anlage
60 % vergessene Verstecke – Vorteil für Bäume
jährliche Mahlzeit­anpassung (Sommer/Winter)
40 g Tageszufuhr in Herbst-Hochsaison
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Was Sie bedenkenlos zufüttern dürfen

Eine gezielte Zufütterung ist vor allem in strengen Wintern, bei Nahrungsknappheit oder bei der Pflege von Pflegetieren sinnvoll. Folgende Futtermittel sind unbedenklich und artgerecht:

  • Ungesalzene, ungeröstete Nüsse: Haselnüsse (in der Schale besonders wertvoll), Walnüsse, Pinienkerne
  • Sonnenblumenkerne: Energie- und nährstoffdicht; in Maßen anbieten, da sehr fettreich
  • Kürbiskerne: reich an Zink und ungesättigten Fettsäuren
  • Getrocknete Früchte ohne Zuckerzusatz: Rosinen (ungeschwefelt), Apfelringe, Hagebutten
  • Frisches Obst und Gemüse: Apfel-, Birnen- und Karottenstücke
  • Getrocknete Mehlwürmerlarven: Larven der Schwarzen Soldatenfliege (BSF) und getrocknete Mehlwürmer liefern hochwertiges Protein und Fett in einem ausgewogenen Verhältnis – als ergänzende Komponente ideal
  • Zapfen: Kiefern- und Fichtenzapfen regen den natürlichen Beschäftigungstrieb an

„Getrocknete Mehlwürmerlarven sind in der Wildtierernährung keine Kuriosität – sie entsprechen dem natürlichen Proteinbedarf von Eichhörnchen in der Reproduktions- und Wachstumsphase.”

Wormm-Redaktion

Getrocknete BSF-Larven und Mehlwürmer haben dabei einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Proteinquellen: Sie sind mikrobiologisch kontrolliert, nahezu keimfrei und können hygienisch gelagert werden – ein wesentlicher Unterschied zu lebendem Futter.

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Verbotene und schädliche Futtermittel

Viele gut gemeinte Futtergaben sind für Eichhörnchen tatsächlich gefährlich. Bitte verzichten Sie konsequent auf die folgenden Lebensmittel:

Unbedingt vermeiden

Schädliche Futtermittel

  • Gesalzene oder geröstete Nüsse
  • Weißbrot, Toastbrot, Zwieback
  • Süßigkeiten, Schokolade
  • Verarbeitete Fertigprodukte
  • Rohes oder verarbeitetes Fleisch
  • Avocado (giftig)
  • Schimmeliges Futter jeder Art
  • Mais (schlechtes Kalzium-Phosphor-Verhältnis)
Empfohlen

Artgerechte Alternativen

  • Rohe Haselnüsse in der Schale
  • Sonnenblumenkerne (unbehandelt)
  • Getrocknete BSF-Larven / Mehlwürmer
  • Frische Apfelstücke
  • Hagebutten (getrocknet oder frisch)
  • Kürbiskerne
  • Natürliche Fichtenzapfen
  • Frisches Trinkwasser
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Saisonale Ernährung und Wintervorrat

Eichhörnchen halten keine Winterruhe, sondern lediglich eine wetterabhängige Kältestarre. In milden Winterphasen sind sie aktiv und suchen ihre über hunderte Standorte verteilten Vorratsverstecke auf. Die Ernährungsstrategie verändert sich dabei deutlich:

Frühling: Knospen, Blüten, erste Mehlwürmer – der Körper erholt sich von der Winterzehrung. Protein ist jetzt besonders wichtig, da Weibchen säugen oder trächtig sind.

Sommer: Beeren, Früchte, Pilze, Mehlwürmer – größte Artenvielfalt in der Nahrungsaufnahme. Fettreserven werden begrenzt aufgebaut.

Herbst: Intensivster Futterzeitraum. Energiereiche Nüsse und Samen werden gefressen und bevorratet. Das Körpergewicht steigt um bis zu 20 % an.

Winter: Vorratsentnahme, ergänzt durch Rinde und Knospen. Bei Schneedecke sind Zufütterungsstationen besonders hilfreich.

Hinweis zur richtigen Fütterungsstation

Bieten Sie Futter erhöht und überdacht an – idealerweise auf einem stabilen Holzgestell. Reinigen Sie die Station wöchentlich, um Schimmel und Krankheitskeimen vorzubeugen. Stellen Sie stets frisches Wasser bereit, besonders im Winter, wenn Wasserquellen zugefroren sind.

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Eichhörnchen als Pflegetier: Besondere Anforderungen

Verwaiste oder verletzte Eichhörnchen benötigen eine spezialisierte Versorgung, die deutlich über das hinausgeht, was bei der Gartenzufütterung nötig ist. Jungtiere haben einen erhöhten Proteinbedarf und brauchen in den ersten Wochen artspezifische Ersatzmilch – keinesfalls Kuhmilch.

Organisationen wie das Haus der Igel oder die Auffangstation für Reptilien und Exoten betreuen regelmäßig auch Nagetiere und Eichhörnchen und verfügen über das notwendige Fachwissen. Sollten Sie ein verletztes oder offensichtlich verwaistes Eichhörnchen finden, empfehlen wir, sich direkt an eine solche Auffangstation zu wenden.

Pflegetipp: Für Pflegeeichhörnchen ab der Entwöhnungsphase haben sich getrocknete Mehlwürmerlarven als Futterergänzung bewährt, da sie eine definierte Nährstoffzusammensetzung bieten und hygienisch portioniert werden können – ein Vorteil gegenüber lebendem oder selbst gesammeltem Mehlwürmerfutter.

Gesundheitshinweis

Veränderungen im Fressverhalten, Gleichgewichtsstörungen, Parasitenbefall oder sichtbare Verletzungen bei Eichhörnchen sollten Sie zum Anlass nehmen, das Tier in tierärztliche Betreuung zu geben oder eine Wildtierhilfe zu kontaktieren. Im Zweifel gilt: Bitte konsultieren Sie eine Tierärztin oder einen Tierarzt.

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Wissenschaftlicher Hintergrund: Was die Forschung sagt

Die Ernährungsphysiologie von Eichhörnchen ist Gegenstand aktiver Forschung. Studien der TU München zur Habitatökologie von Waldtieren zeigen, dass ein heterogenes Nahrungsangebot – also die Kombination aus energiereichen Fetten, Kohlenhydraten und Proteinen – entscheidend für die Winterüberlebensrate ist. Rein auf Nüsse fokussierte Fütterungen können zu Mangelerscheinungen führen, besonders bei Kalzium und bestimmten Aminosäuren.

Im Rahmen des IGF-Projekts InsectDry, das sich mit der Qualitätssicherung getrockneter Mehlwürmer befasst, wurden auch Anwendungsfelder in der Wildtierernährung beleuchtet. Getrocknete Mehlwürmer bieten demnach eine stabile, lagerfähige und gut dosierbare Proteinquelle, die in der Wildvogel- und Kleinsäugerfütterung zunehmend Interesse findet.

Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg forscht unter anderem zu Verhaltensökologie und Nahrungsstrategien von Nagetieren. Ihre Arbeiten bestätigen, dass Eichhörnchen aktiv nach proteinhaltigen Nahrungsquellen suchen – ein Verhalten, das sich bei der Zufütterung mit Mehlwürmerlarven deutlich zeigt.


„Wer Eichhörnchen wirklich helfen möchte, denkt nicht in Einzelfuttermitteln, sondern in Ernährungsstrategien – vielfältig, saisonal und so nah am natürlichen Angebot wie möglich.”

Wormm-Redaktion
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Fazit: Die große Futterliste auf einen Blick

Eichhörnchen sind keine wählerischen Fresser, aber sie haben klare physiologische Bedürfnisse. Die wichtigsten Leitlinien für eine artgerechte Fütterung lassen sich in drei Grundsätzen zusammenfassen:

  1. Naturbelassen: Kein Salz, kein Zucker, keine Verarbeitung – je näher am Naturprodukt, desto besser.
  2. Ausgewogen: Fette Nüsse allein genügen nicht. Protein- und mineralstoffreiche Ergänzungen wie Mehlwürmerlarven, Kürbiskerne und frisches Obst runden das Angebot ab.
  3. Hygienisch: Futterstationen regelmäßig reinigen, keine schimmeligen Reste liegen lassen, frisches Wasser bereitstellen.

Befolgen Sie diese Grundsätze, leisten Sie einen echten Beitrag zum Wohlergehen der flinken Waldbewohner – ohne ihnen zu schaden.

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