Tauben und Mehlwürmer: Fütterung richtig gemacht
Protein ist der Schlüssel zu Gesundheit, Gefieder und Leistung – aber wann, wie viel und in welcher Form sollten Tauben Mehlwürmer erhalten? Die Wormm-Redaktion klärt auf.
Tauben sind von Natur aus Körnerfresser – doch wer ihre Biologie genauer betrachtet, erkennt schnell, dass diese Einordnung zu kurz greift. In der freien Natur nehmen Tauben regelmäßig Mehlwürmer auf, sobald sich die Gelegenheit bietet, besonders in der Brut- und Mauserzeit, wenn der Körper außerordentlich viel Protein benötigt. Getrocknete Mehlwürmer können diesen natürlichen Impuls aufgreifen und die Ernährung sinnvoll ergänzen – sofern Fütterung und Menge stimmen.
In diesem Artikel erfahren Sie, warum Mehlwürmer für Tauben wertvoller sind als ihr Ruf vermuten lässt, welche Lebens- und Haltungsphasen besonders von der Proteingabe profitieren und wie Sie häufige Fehler vermeiden.
Was getrocknete Mehlwürmer leisten – Nährwert kompakt
Getrocknete Mehlwürmer (Larven von Tenebrio molitor) gehören zu den proteinreichsten Futtermitteln, die für Vögel im Handel erhältlich sind. Ihr Trockengewicht besteht zu rund 53 % aus Rohprotein und zu etwa 28 % aus Rohfett – eine Kombination, die sowohl Muskel- und Gefiederaufbau als auch die Energieversorgung bei erhöhtem Bedarf unterstützt.
Darüber hinaus liefern Mehlwürmer essenzielle Aminosäuren wie Methionin und Lysin, die im klassischen Getreide-Körner-Futter häufig in zu geringen Konzentrationen vorhanden sind. Für Tauben in Phasen erhöhten Proteinbedarfs ist das ein entscheidender Vorteil.
Aktuelle Untersuchungen im Rahmen des IGF-Projekts InsectDry sowie Forschungsarbeiten der TU München und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg bestätigen: Mehlwürmermehl und getrocknete Larven zeigen eine hohe Verdaulichkeit bei Monogastriden und können tierisches Protein aus konventionellen Quellen qualitativ ersetzen oder ergänzen.
Wann Tauben Mehlwürmer besonders brauchen
Nicht jede Lebensphase erfordert dieselbe Proteindichte im Futter. Die Wormm-Redaktion empfiehlt, getrocknete Mehlwürmer vor allem in folgenden Situationen gezielt zuzufüttern:
Mauser: Während der Mauser – in der Regel von Juli bis Oktober, bei manchen Rassen mit Verlängerung bis in den November – ersetzt die Taube ihr gesamtes Gefieder. Federn bestehen zu über 90 % aus dem Strukturprotein Keratin. Ein Defizit an Aminosäuren in dieser Phase führt zu brüchigem, dünnem Gefieder und verlängerten Mauserphasen. Eine tägliche Ergänzung mit 8–12 g getrockneten Mehlwürmern pro Tier hat sich in der Praxis vieler Taubenhalter bewährt.
Brutzeit und Aufzucht: Zuchttauben, die Jungtiere aufziehen, produzieren die sogenannte Kropfmilch – ein Sekret, das die Elterntiere selbst synthetisieren und das zu einem erheblichen Teil aus Protein besteht. Ein ausreichendes Aminosäure-Angebot im Futter entlastet die Elterntiere und sichert das Wachstum der Jungtiere.
Vor und nach Flugleistungen: Brieftauben und Sporttauben unterziehen sich erheblichen körperlichen Belastungen. In der Regenerationsphase nach Flügen unterstützt eine moderate Proteingabe die Muskelregeneration. Hier empfehlen sich 5–10 g Mehlwürmer täglich für einige Tage nach dem Flug.
Winterfütterung: Im Winter sinken die Temperaturen, und der Erhaltungsbedarf an Energie steigt. Der kombinierte Protein-Fett-Gehalt der Mehlwürmer macht sie zu einem nützlichen Winterergänzungsfutter, ohne den Körner-Grundstock zu ersetzen.
„Mehlwürmerfutter ist keine Kuriosität, sondern ein evolutionär sinnvoller Bestandteil der Tauben-Ernährung – der Zeitpunkt der Gabe entscheidet über den Nutzen.”
Wormm-RedaktionGetrocknet vs. frisch – welche Form ist besser geeignet?
Die Frage, ob getrocknete oder lebende Mehlwürmer vorzuziehen sind, ist für Taubenhalter praktisch bedeutsam. Beide Formen haben ihre Berechtigung, unterscheiden sich jedoch in Handhabung, Hygiene und Nährstoffprofil deutlich.
- Lange Haltbarkeit (über 2 Jahre bei korrekter Lagerung)
- Hygienisch unbedenklich – keine Milbenbelastung
- Gleichbleibender Nährstoffgehalt
- Leicht dosierbar und zumischbar
- Kein Fluchtrisiko, keine Geruchsbelastung
- Gut für größere Taubenschläge geeignet
- Höherer Wassergehalt – stärker verdünntes Protein
- Natürliches Jagd- und Pickverhalten angeregt
- Kürzere Haltbarkeit, aufwendigere Lagerung
- Qualitätsschwankungen möglich
- Für Jungtauben mit eingeschränkter Futterwahl interessant
Für die meisten Halter ist die getrocknete Form die praktischere und verlässlichere Wahl. Sie lässt sich problemlos unter das Körner- oder Pelletfutter mischen und ist das ganze Jahr über verfügbar. Wormm liefert getrocknete Mehlwürmer in Gebinden von 1 bis 20 kg – ideal für kleine Hobbyhalter ebenso wie für Züchter mit größerem Bestand.
Dosierung und Fütterungsempfehlungen
Eine häufige Frage lautet: Wie viele Mehlwürmer sind zu viel? Tatsächlich kann ein dauerhafter Überschuss an Rohprotein bei Tauben die Nierenfunktion belasten. Als Orientierungsrahmen empfiehlt die Wormm-Redaktion folgende Richtwerte:
Erhaltungsfütterung (kein erhöhter Bedarf): 3–5 g getrocknete Mehlwürmer pro Tier und Tag, 2–3 Mal pro Woche.
Mauser / Brutzeit / Jungtieraufzucht: 8–15 g täglich über die Dauer der jeweiligen Phase.
Sporttauben nach Flügen: 5–10 g täglich für 3–5 Tage zur Regeneration.
Jungtauben (Eingewöhnung): Beginnen Sie mit kleinen Mengen (2–3 g) und steigern Sie langsam über 1–2 Wochen.
Grundsätzlich gilt: Mehlwürmer sind ein Ergänzungsfutter, kein Hauptfutter. Eine ausgewogene Körner-Mischung – idealerweise mit Erbsen, Wicken und Mais – bleibt die Grundlage einer gesunden Taubenernährung. Im Zweifel, insbesondere bei Erkrankungen oder auffälliger Apathie, sollte immer ein Tierarzt mit Erfahrung im Bereich Vogelmedizin konsultiert werden.
BSF-Larven als Alternative zu Mehlwürmern
Neben dem klassischen Mehlwurm gewinnen die Larven der Schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens, kurz BSF) zunehmend an Aufmerksamkeit. Ihr Aminosäureprofil unterscheidet sich leicht von dem des Mehlwurms; der Fettgehalt ist in bestimmten Aufzuchtbedingungen niedriger, der Kalziumgehalt hingegen deutlich höher – ein Vorteil für legende Tauben und Jungtiere im Knochenaufbau.
Auch BSF-Larven sind bei Wormm in getrockneter Form erhältlich, ebenfalls in Mengen von 1 bis 20 kg. Eine Kombination beider Mehlwürmerarten kann sinnvoll sein, um das Aminosäurespektrum zu verbreitern und die Futterakzeptanz der Tauben durch abwechslungsreiche Textur zu fördern.
Lagerung, Hygiene und Qualität
Getrocknetes Mehlwürmerfutter ist vergleichsweise pflegeleicht, verlangt aber einige Grundregeln bei der Lagerung. Bewahren Sie die Mehlwürmer stets kühl, trocken und lichtgeschützt auf – ein kühler Keller oder ein dunkler Vorratsschrank sind ideal. Feuchtigkeitseintrag ist der größte Feind: Feuchtigkeit aktiviert Schimmelsporen und kann die Qualität innerhalb weniger Tage erheblich mindern.
Wormm-Mehlwürmer werden schonend getrocknet und in wiederverschließbaren, aromadichten Verpackungen geliefert. Nach dem Öffnen empfiehlt sich die Umfüllung in eine luftdichte Vorratsdose. Größere Mengen ab 5 kg können portionsweise aufgeteilt und der Hauptvorrat kühl zwischengelagert werden.
Auch Partner wie das Haus der Igel und die Auffangstation für Reptilien und Exoten setzen auf getrocknete Mehlwürmer als verlässliche Proteinquelle – ein Zeichen dafür, dass die Qualität auch unter anspruchsvollen Bedingungen überzeugt.
Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden
Aus der Erfahrung vieler Taubenhalter kristallisieren sich einige wiederkehrende Fehler bei der Mehlwürmerfütterung heraus:
Dauerhaft zu hohe Proteingaben: Besonders in der fütterungsintensiven Mauserzeit neigen Halter dazu, großzügig zu schütten. Langfristig überlastete Nieren zeigen sich in erhöhter Harnsäureausscheidung und gelblich verfärbten Kotspritzern. Halten Sie die empfohlenen Mengenfenster ein und reduzieren Sie die Gabe nach Ende der Mauser wieder.
Falsches Einweichen: Manche Halter weichen getrocknete Mehlwürmer in Wasser ein, bevor sie sie verfüttern. Für gesunde Adulttauben ist das in der Regel nicht nötig; für sehr junge oder geschwächte Tiere kann aufgeweichtes Futter jedoch die Futteraufnahme erleichtern.
Vermischung mit feuchtem Futter: Werden Mehlwürmer mit frischen Früchten oder nassem Einweichfutter kombiniert, steigt die Schimmelgefahr erheblich. Reichen Sie trockenes Mehlwürmerfutter grundsätzlich separat oder unter trockenem Körner-Grundfutter.
Kein Wasser bereitstellen: Trotz der geringen Feuchte im Trockenfutter benötigen Tauben ausreichend frisches Trinkwasser – das gilt besonders, wenn der Proteinanteil der Ration erhöht wird.
Die Fütterung von Tauben mit getrockneten Mehlwürmern ist keine modische Spielerei, sondern eine biologisch begründete Ergänzung, die – richtig eingesetzt – sichtbare Vorteile für Gefieder, Gesundheit und Leistungsfähigkeit bringt. Mit klaren Dosierungsregeln, hochwertiger Futterqualität und einem Blick auf den saisonalen Bedarf schaffen Sie die beste Grundlage für vitale, leistungsstarke Tauben.
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