01 Warum ein eigenes Futterhaus sinnvoll ist

Eichhörnchen sind neugierig, wendig und erstaunlich anpassungsfähig – dennoch stellt der menschliche Siedlungsraum für sie eine tägliche Herausforderung dar. Bäume, die früher natürliche Vorratskammern boten, fehlen in vielen Gärten oder Innenhöfen. Gleichzeitig schrumpfen naturnahe Waldflächen, was den Tieren die Nahrungssuche erschwert. Ein speziell eingerichtetes Futterhaus kann diese Lücke schließen, sofern es artgerecht konzipiert ist.

Ein simples Brett in einem Baum reicht selten aus. Eichhörnchen benötigen einen trockenen, stabilen und wettergeschützten Platz, der ihnen Schutz vor Greifvögeln und anderen Störfaktoren bietet. Gleichzeitig sollte das Angebot ihr natürliches Suchverhalten ansprechen: Verstecken, Wiederfinden, Nagen – all das gehört dazu. Wer das beherzigt, wird in der Regel schon nach wenigen Tagen erste Besucher beobachten.

Praxis-Hinweis: Das Haus der Igel e. V. empfiehlt bei der Wildtier-Zufütterung generell, Futterstellen regelmäßig zu reinigen, um Schimmel- und Keimbefall zu verhindern – ein Rat, der für Eichhörnchen-Futterhäuser gleichermaßen gilt.
02 Bauweise: Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Auf dem Markt finden sich Futterhäuser aus Holz, Kunststoff und Metall. Die Wormm-Redaktion empfiehlt Modelle aus unbehandeltem oder naturbelassenem Holz (z. B. Fichte, Kiefer, Lärche). Holz reguliert Feuchtigkeit, nimmt keine schädlichen Temperaturen an und lässt sich leichter reinigen als viele Kunststoffvarianten. Außerdem bleibt es im Baum nahezu unsichtbar – ein psychologischer Vorteil für scheuere Tiere.

Achten Sie besonders auf folgende Merkmale:

Checkliste Futterhaus-Qualität

  • Überdachung: Mindestens 5 cm Überstand rundum, damit Regen nicht in die Futterschale spült.
  • Einflugöffnung oder offene Front: Eichhörnchen bevorzugen seitliche oder nach unten gerichtete Zugänge, die Greifvögeln den Zugriff erschweren.
  • Stabile Befestigung: Schraubschellen oder breit anliegende Bänder, die den Stamm nicht einschnüren.
  • Glatte Innenflächen: Keine Splitter, keine Nägel – Eichhörnchen nagen und können sich an scharfen Kanten verletzen.
  • Witterungsschutz: Unbehandeltes Holz mit natürlicher Harzstruktur oder mindestens einer wasserabweisenden Naturöl-Behandlung.
  • Hygienische Konstruktion: Herausnehmbare oder aufklappbare Futterschale, die sich einfach reinigen lässt.

Verzichten Sie auf Modelle mit lackierten Innenflächen oder mit Silikonabdichtungen im Futterbereich. Eichhörnchen nagen an allem, und chemische Verbindungen gehören nicht in ihren Verdauungstrakt. Im Zweifel konsultieren Sie bei Auffälligkeiten an einem Tier stets einen Tierarzt.

03 Standortwahl: Die wichtigsten Kriterien

Der Standort ist oft entscheidender als die Wahl des Futterhauses selbst. Eichhörnchen sind Fluchttiere und meiden Plätze, die ihnen keine schnellen Rückzugswege bieten.

„Ein Futterhaus, das sich nicht in den natürlichen Bewegungsraum des Eichhörnchens einfügt, bleibt unbesucht – egal wie verlockend das Angebot darin ist.”

Folgende Faustregeln haben sich in der Praxis bewährt:

Standort-Kriterien im Überblick

  • Höhe: Mindestens 1,5 m über dem Boden, optimal 3–5 m – außerhalb der Sprungreichweite von Katzen und Mardern.
  • Stammnahe Montage: Direkt am Stamm oder auf einem kräftigen, waagerechten Ast. Das Tier springt vom Baum zum Haus – nicht umgekehrt.
  • Blickfeld: Das Eichhörnchen braucht eine freie Sichtlinie nach allen Seiten, um Feinde rechtzeitig zu erkennen.
  • Beschattung: Halbschatten ist ideal; direkte Mittagssonne lässt das Futter schneller verderben.
  • Windschutz: Die Einstiegsöffnung sollte nicht in die Hauptwindrichtung zeigen.
  • Ruheabstand: Mindestens 4–5 m Abstand zu Terrassen oder Fenstern, von denen häufig Bewegung ausgeht.

Wer keinen geeigneten Baum zur Verfügung hat, kann das Futterhaus auch an einem stabilen Holzpfahl in der Nähe von Sträuchern oder Kletterpflanzen montieren – solange sichere Kletterwege für das Tier bestehen.

04 Balkon oder Garten: Ein direkter Vergleich

Balkon

  • Eichhörnchen kommen nur, wenn Kletterpflanzen, Regenrinnen oder nahegelegene Bäume als Zuwegung dienen.
  • Geringes Störpotenzial möglich, wenn Balkon selten benutzt wird.
  • Futterschale täglich prüfen: Regen und Wind machen Futter schneller ungenießbar.
  • Montage an Geländer oder Wandhalterung; auf ausreichende Befestigungslast achten.
  • Stadteichhörnchen sind häufig mutiger – Besuch trotzdem möglich.

Garten mit Bäumen

  • Optimale Bedingungen: natürliche Fluchtrouten, breite Kletterwege, Baumbestand.
  • Stammnahe Montage einfach realisierbar.
  • Futter bleibt im Schatten länger frisch.
  • Mehrere Tiere können das Angebot gleichzeitig nutzen.
  • Höheres Störrisiko durch Hunde, Katzen oder spielende Kinder – Platzierung beachten.
05 Das richtige Futter: Qualität statt Menge

Ein gut platziertes Futterhaus allein reicht nicht. Das Angebot muss auf die natürlichen Ernährungsgewohnheiten des Eichhörnchens abgestimmt sein. In freier Natur fressen Eichhörnchen Samen, Nüsse, Beeren, Pilze und – gerade in proteinreichen Phasen – Mehlwürmer und Larven.

Sonnenblumenkerne gehören zu den beliebtesten und gleichzeitig nährstoffdichtesten Futtermitteln. Sie sind leicht transportierbar, werden von Eichhörnchen aktiv bevorratet und enthalten hochwertige ungesättigte Fettsäuren. Wichtig ist die Qualität: Frisch getrocknete Kerne ohne Schimmelbefall, idealerweise ungeschält, damit das Nagen erhalten bleibt.

Ergänzend dazu gewinnen getrocknete Mehlwürmerlarven als Eichhörnchenfutter zunehmend an Bedeutung. Mehlwürmer (Larven des Mehlkäfers, Tenebrio molitor) und Larven der Schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens) liefern hochwertige Aminosäuren und Fette – besonders wertvoll in der Aufzuchtphase der Jungtiere im Frühjahr sowie in energie-intensiven Herbstmonaten, wenn Vorräte angelegt werden. Das IGF-Projekt InsectDry sowie Forschungsarbeiten der TU München zur Mehlwürmertrocknung belegen, dass schonend getrocknete Larven ihre Nährstoffe nahezu vollständig erhalten.

Futter-Empfehlung der Wormm-Redaktion

  • Sonnenblumenkerne (ungesalzen, ungewürzt)
  • Getrocknete Mehlwürmer (schonend getrocknet, ohne Zusätze)
  • Getrocknete BSF-Larven als proteinreiche Ergänzung
  • Walnuss-Hälften, Haselnüsse (ungesalzen)
  • Keine: gesalzene Nüsse, gewürzte Samen, Brot, Süßigkeiten

Füllen Sie das Futterhaus nur mit so viel Futter, wie innerhalb von ein bis zwei Tagen aufgenommen werden kann. Überbleibsel feuchten durch und können Schimmel anziehen, der für Wildtiere gesundheitsschädlich ist. Bei gesundheitlichen Auffälligkeiten an Eichhörnchen wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt oder an eine lokale Wildtier-Auffangstation.

06 Pflege und Hygiene: Unterschätzte Faktoren

Regelmäßige Reinigung ist kein optionaler Extra-Aufwand, sondern ein Kernbestandteil verantwortungsvoller Wildtier-Zufütterung. Empfohlen wird eine gründliche Reinigung mindestens alle zwei Wochen sowie nach jedem Regenereignis, das Futter durchnässt haben könnte. Geeignet sind heißes Wasser und eine Bürste ohne chemische Reinigungsmittel.

Die Auffangstation für Reptilien und Exoten – als Einrichtung, die den Zusammenhang zwischen Haltungsbedingungen und Tiergesundheit tagtäglich erlebt – betont, wie wichtig saubere Futterstellen sind: Kontaminiertes Futter kann auch bei Wildtieren zu Magen-Darm-Erkrankungen führen, die oft unbemerkt bleiben, weil die Tiere sich zurückziehen.

„Wer Wildtiere füttert, übernimmt Verantwortung – auch für die Sauberkeit der Futterquelle.”


07 Saisonalität: Wann und wie lange füttern?

Eichhörnchen halten keinen echten Winterschlaf, sondern Winterruhe. Bei milden Temperaturen sind sie auch im Januar und Februar aktiv auf Nahrungssuche – gerade dann, wenn ihre vergrabenen Vorräte erschöpft oder schwer auffindbar sind. Eine ganzjährige Fütterung schadet nicht, sofern sie konsequent durchgehalten wird. Ein plötzlicher Stopp mitten im Winter kann Tiere in Schwierigkeiten bringen, die sich auf die Futterquelle verlassen haben.

Besonders wertvolle Fütterungszeiträume sind:

Fütterungskalender

  • Oktober – November: Anlegen von Wintervorräten – hoher Energiebedarf, proteinreiche Larven ideal.
  • Dezember – Februar: Winterruhe-Phasen; an milden Tagen aktiv, Futter entsprechend bereitstellen.
  • März – April: Aufzuchtphase, Weibchen mit erhöhtem Proteinbedarf – Mehlwürmerlarven besonders wertvoll.
  • Mai – September: Naturangebot groß; Futtermenge reduzieren, Angebot aufrechterhalten.

Forschende der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg beschäftigen sich im Bereich Tierernährung und Futtermittelwissenschaft mit dem Einfluss von Nahrungszusammensetzung auf das Verhalten und die Entwicklung kleiner Säugetiere – ein Forschungsfeld, das zunehmend auch Wildtieraspekte berücksichtigt und zeigt, dass gerade proteinreiche Phasen entscheidend für Kondition und Reproduktionserfolg sind.

Ökologischer Hinweis: Wormm unterstützt das Aufforstungsprogramm Trees for All, da mehr Bäume langfristig mehr natürliche Lebensräume und Futterstellen für Eichhörnchen bedeuten – eine Ergänzung zur direkten Zufütterung, die nachhaltiger wirkt.

Wer ein Eichhörnchen-Futterhaus mit Bedacht wählt, richtig platziert und regelmäßig pflegt, schafft einen echten Mehrwert für das lokale Wildtierleben – ohne dabei die Eigenständigkeit der Tiere zu untergraben. Das Ziel ist Unterstützung, nicht Abhängigkeit.