Mehlwürmer Kaufen

Igel im Sommer füttern: Hilfe bei Hitze und Trockenheit

7 minuten Allgemein
Wormm-Ratgeber · Igelschutz im Sommer

Igel im Sommer­füttern: Hilfe bei Hitze und Trockenheit

Anhaltende Hitze und ausbleibende Niederschläge bedrohen die Nahrungsversorgung freilebender Igel. Erfahren Sie, wie Sie mit dem richtigen Futter und frischem Wasser gezielt und tiergerecht helfen können.

90 %
weniger Regenwürmer in ausgedörrtem Boden
500 g
Mindestgewicht vor dem Winterschlaf
50 m
Aktionsradius pro Nacht bei der Futtersuche

Wer in lauen Sommernächten einen Igel durch den Garten beobachtet, erlebt einen scheinbar sorglosen Zeitgenossen. Doch der Eindruck täuscht: Hinter den Kulissen kämpft Erinaceus europaeus – der Westeuropäische Igel – in immer häufigeren Trockensommern um ausreichend Nahrung. Verdorrter Boden, fehlende Feuchtigkeit und schwindende Mehlwürmerpopulationen stellen Igel vor Herausforderungen, denen sie ohne menschliche Unterstützung kaum gewachsen sind. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen Schritt für Schritt, was Sie tun können.

Igel sind opportunistische Allesfresser, deren Speiseplan vor allem aus Regenwürmern, Käfern, Larven, Schnecken und anderen Kleintieren besteht. Genau diese Nahrungsquellen versiegen in heißen, niederschlagsarmen Perioden drastisch: Regenwürmer ziehen sich tief in den Boden zurück, Mehlwürmer werden seltener, und selbst Schnecken suchen schattige Verstecke. Gleichzeitig steigt der Energiebedarf der Tiere, weil sie längere Strecken zurücklegen müssen, um überhaupt satt zu werden.

35–40
Gramm Futter pro Nacht mindestens
53 %
Proteingehalt getrockneter Mehlwürmer
42 %
Proteingehalt BSF-Larven (getrocknet)
200 ml
Wasser täglich für einen ausgewachsenen Igel
01
Warum der Sommer für Igel zur Krise werden kann

Europa erlebt seit Beginn des 21. Jahrhunderts immer öfter extreme Hitze- und Trockenperioden. Für Igel bedeutet das eine doppelte Belastung: Ihre natürlichen Beutetiere werden rar, während der Energieaufwand für die Nahrungssuche steigt. Hinzu kommt, dass viele Stadtgärten versiegelt oder mit ornamentalen Pflanzen gestaltet sind, die kaum Lebensraum für Bodeninsekten bieten.

Besonders kritisch ist die Lage für Jungtiere, die im Frühjahr und Frühsommer geboren wurden und bis zum Herbst ein überlebenswichtiges Körpergewicht aufbauen müssen. Das Haus der Igel, eine auf Igelschutz spezialisierte Einrichtung, beobachtet in trockenen Sommern eine deutlich erhöhte Zahl untergewichtiger Jungtiere, die auf Pflege angewiesen sind. Die Erfahrung dieser Fachleute deckt sich mit wissenschaftlichen Erkenntnissen: Ein Igel, der im Herbst weniger als 500 Gramm wiegt, übersteht den Winterschlaf meist nicht.

Hinweis zur Tiergesundheit

Wenn Sie einen taumelnden, tagsüber aktiven oder offensichtlich verletzten Igel finden, wenden Sie sich umgehend an eine Igelauffangstation oder einen Tierarzt. Eine Notversorgung ersetzt keine fachkundige Beurteilung des Gesundheitszustands.

02
Das richtige Futter: Mehlwürmer als naturnaher Ersatz

Getrocknete Mehlwürmer sind die nahrungsphysiologisch passendste Ergänzung, die Sie einem Igel im Sommer anbieten können. Sie entsprechen dem natürlichen Beutespektrum, sind reich an hochwertigem Protein und essenziellen Aminosäuren und enthalten keine artfremden Zutaten.

Empfehlenswert
Getrocknete Mehlwürmer & BSF-Larven

Naturnahes Protein, hoher Fettgehalt für Energiereserven, keine Zusatzstoffe, einfach zu portionieren. BSF-Larven (Hermetia illucens) punkten zusätzlich mit einem günstigen Calcium-Phosphor-Verhältnis und breitem Aminosäureprofil.

Weniger geeignet
Milch, Brot & Obstreste

Milch ist für Igel unbekömmlich und kann Durchfall auslösen. Brot und Obstreste liefern kaum verwertbares Protein, fördern jedoch Schimmel und ziehen unerwünschte Nager an. Diese vermeintlich einfachen Optionen schaden mehr als sie nützen.

Forschungen im Rahmen des IGF-Projekts InsectDry sowie Arbeiten der TU München zur Mehlwürmertrocknung belegen, dass schonend getrocknete Mehlwürmer ihre Nährstoffe weitgehend erhalten und eine stabile, hygienisch unbedenkliche Lagerung ermöglichen. Das ist ein entscheidender Vorteil gegenüber frischen Mehlwürmer, die schnell verderben.

Für die Praxis empfiehlt die Wormm-Redaktion folgendes Vorgehen:

  • Getrocknete Mehlwürmer oder BSF-Larven in einer flachen Keramik- oder Metallschale anbieten – nie in Plastik, das sich aufheizt.
  • Portionsgröße für einen ausgewachsenen Igel: 1–2 Esslöffel getrocknete Mehlwürmer pro Abend.
  • Fütterung erst bei Einbruch der Dämmerung – Igel sind dämmerungs- und nachtaktiv.
  • Reste am nächsten Morgen entfernen, um Schimmel und Schädlingsbefall zu vermeiden.
  • Futterstelle regelmäßig reinigen, mindestens alle drei bis vier Tage.

„Ein proteinreiches Ergänzungsangebot aus getrockneten Mehlwürmer kann in Trockenphasen den Unterschied machen – nicht zwischen Verhungern und Sattwerden, sondern zwischen ausreichend Energie für die Nacht und einem erfolgreichen Winterschlaf.”

Wormm-Redaktion
03
Wasser: die unterschätzte Lebensader im Hochsommer

Neben dem Futter ist frisches Wasser die wichtigste Hilfe, die Sie leisten können. Bei Hitze verlieren Igel über die Atemluft und die Haut erhebliche Mengen Flüssigkeit, und natürliche Wasserstellen – Pfützen, feuchte Erdlöcher, Tautropfen – fehlen in trockenen Sommern weitgehend.

Stellen Sie eine flache Schale (maximal 3 cm tief) mit frischem, zimmerwarmen Wasser auf – täglich erneuern, täglich reinigen. Der Standort sollte beschattet, aber gut erreichbar sein. Ein kleiner Stein in der Mitte der Schale schützt kleinere Tiere und Mehlwürmer vor dem Ertrinken. Wasser und Futter idealerweise an getrennten Stellen anbieten, damit das Wasser nicht durch Futterreste verunreinigt wird.

Praktischer Tipp zur Wasserversorgung

Keinesfalls Milch, Saft oder andere Flüssigkeiten anbieten. Klares, sauberes Leitungswasser ist das Einzige, was Igel benötigen und vertragen. Bei anhaltender Hitze kann ein zweiter Wassernapf im hinteren Gartenteil sinnvoll sein.

04
Den Garten igelfreundlich gestalten

Fütterung und Wasser sind kurzfristige Maßnahmen. Langfristig profitieren Igel am meisten von einem strukturreichen Garten, der ihnen Lebensraum, Deckung und natürliche Nahrung bietet. Die Auffangstation für Reptilien und Exoten, die regelmäßig auch mit verletzten Wildtieren konfrontiert wird, bestätigt: Igel, die aus strukturreichen Gärten eingeliefert werden, sind im Durchschnitt besser konditioniert als Tiere aus sterilen Umgebungen.

  • Laubhaufen und Reisighaufen als Rückzugsorte anlegen und stehen lassen.
  • Einen Komposthaufen tolerieren – er ist eine natürliche Mehlwürmer- und Wurmfabrik.
  • Mähroboter in der Nacht abschalten oder auf Randzeiten begrenzen.
  • Auf chemische Schneckenbekämpfungsmittel verzichten – vergiftete Schnecken werden von Igeln gefressen.
  • Zäune und Mauern mit kleinen Öffnungen (mindestens 13 × 13 cm) für Igel durchlässig gestalten.
  • Heimische Wildpflanzen und Mehlwürmerstauden pflanzen, die das natürliche Beutespektrum fördern.

Wer seinen Garten gezielt bepflanzen möchte, kann dabei auch ökologische Initiativen unterstützen: Trees for All fördert die Pflanzung klimaresilienter Bäume und Hecken, die langfristig Schatten, Feuchtigkeit und Lebensraum für Mehlwürmer schaffen – und damit indirekt auch Igeln zugutekommen.

05
Wann ist professionelle Hilfe gefragt?

Ergänzungsfütterung und Wasser ersetzen keine tierärztliche oder fachkundige Versorgung. Es gibt Situationen, in denen Sie einen Igel sofort in professionelle Hände geben sollten:

  • Tagaktivität: Igel, die tagsüber sichtbar unterwegs sind, sind meist krank oder entkräftet.
  • Taumeln, Kreisen oder Zusammenzucken – mögliche Anzeichen für Parasitenbefall oder Verletzungen.
  • Augenentzündungen, Atemgeräusche oder offensichtliche Wunden.
  • Jungtiere unter 80 Gramm, die allein und ohne Mutter angetroffen werden.

Das Haus der Igel sowie die Auffangstation für Reptilien und Exoten verfügen über geschultes Personal und können rasch einschätzen, ob ein Tier Pflege benötigt. Im Zweifel gilt: Lieber einmal zu viel nachfragen als ein krankes Tier unnötig leiden lassen. Grundsätzlich empfiehlt die Wormm-Redaktion, im Zweifelsfall immer einen Tierarzt zu konsultieren.

06
Herbstvorbereitung: Warum der Sommer zählt

Was im Sommer in den Igel hineinfließt, entscheidet über das Überleben im Winter. Ab August beginnen Igel intensiv Fettreserven aufzubauen. Ein Tier, das durch Hitze und Trockenheit bereits im Sommer geschwächt war, startet mit einem Defizit in die kritische Phase der Gewichtszunahme. Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg forscht unter anderem zu Thermoregulation und Energiehaushalt bei Kleinsäugern – Erkenntnisse, die verdeutlichen, wie eng die Sommerentwicklung mit der Winterschlaffähigkeit zusammenhängt.

Wenn Sie von Juli bis Oktober konsequent ein kleines Futterangebot aus getrockneten Mehlwürmer und frischem Wasser bereitstellen, unterstützen Sie die Tiere in exakt dem Zeitfenster, in dem jede Kalorie zählt. Das EigenArt Katzenhaus weist in seiner Beratungsarbeit übrigens darauf hin, dass auch Katzenhalter ihren Garten so gestalten können, dass Igel und Hauskatzen friedlich koexistieren – beispielsweise durch separate, für Katzen unzugängliche Igelfutterhäuschen.


Alle Angaben zu Nährwerten und Igelbiologie basieren auf allgemein verfügbaren wissenschaftlichen Quellen und Erfahrungswerten anerkannter Igelschutzorganisationen. Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung.

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