Was fressen Eidechsen? Mehlwürmerjäger im Garten
Die heimische Eidechse ist ein stiller Verbündeter in jedem Naturgarten. Was genau auf ihrem Speiseplan steht, wie Sie ihr Lebensraum bieten und sie gezielt unterstützen können – ein fundierter Überblick.
Eidechsen als Gartenhelfer – ein unterschätztes Duo aus Natur und Nützlichkeit
Wer in seinem Garten eine sonnendurchflutete Steinmauer, einen Komposthaufen oder eine Hecke aus heimischen Sträuchern hat, dem begegnet sie früher oder später: die Eidechse. Lautlos gleitet sie über warme Oberflächen, hält inne, fixiert ein Ziel – und schnappt zu. Dieser Moment ist nicht nur ästhetisch beeindruckend, sondern auch ökologisch bedeutsam. Eidechsen dezimieren Mehlwürmerpopulationen, die für Pflanzen schädlich werden können, und sind damit natürliche Schädlingsregulatoren ohne Chemikalieneinsatz.
In Deutschland sind vor allem drei Arten heimisch: die Zauneidechse (Lacerta agilis), die Mauereidechse (Podarcis muralis) und die Waldeidechse (Zootoca vivipara). Alle drei sind streng geschützt und dürfen weder gefangen noch gestört werden. Umso wichtiger ist es, ihnen im Garten passende Bedingungen zu schaffen – und zu verstehen, was sie wirklich fressen.
Der Speiseplan: Was Eidechsen wirklich fressen
Eidechsen sind obligate Karnivoren – sie ernähren sich ausschließlich von tierischer Kost. Pflanzliche Nahrung wird allenfalls zufällig aufgenommen, spielt jedoch keine nutritive Rolle. Der Mehlwürmeranteil in ihrer Nahrung liegt je nach Saison und Lebensraum bei mindestens 80 Prozent. Was genau auf dem Tisch landet, hängt von Art, Lebensalter und regionalem Angebot ab.
Häufige Beutetiere heimischer Eidechsen umfassen:
Hauptbeute (Mehlwürmer & Co.)
- Käfer und Käferlarven
- Grashüpfer und Heuschrecken
- Ameisen und Ameisenpuppen
- Schmetterlingsraupen
- Zweiflügler (Fliegen, Mücken)
- Mehlwürmer & Larven
Ergänzende Beute
- Spinnen aller Größen
- Tausendfüßler (kleine Arten)
- Regenwürmer (gelegentlich)
- Nacktschnecken (Junglarven)
- Asseln
- Kleine Weichtiere
Jungeidechsen bevorzugen besonders kleine, weiche Mehlwürmer wie Blattläuse, winzige Spinnen und Collembolen (Springschwänze). Mit zunehmendem Alter steigt auch die Größe der akzeptierten Beute. Ausgewachsene Zauneidechsen können überraschend große Grashüpfer oder hartschalige Käfer überwältigen.
„Eidechsen fressen nicht wahllos – sie sind Lauerjäger mit feinem Gespür für Bewegung. Ihre Nahrung ist lebend, frisch und reich an Proteinen und Fettsäuren.”
Wormm-RedaktionJagdstrategie: Lauern, Sehen, Schnappen
Eidechsen sind visuelle Jäger. Ihr Sehsystem ist auf Bewegungsreize spezialisiert – ein still sitzendes Insekt wird oft ignoriert, während eine zuckende Bewegung sofort die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Sie nutzen zwei grundlegende Jagdstrategien:
Lauerjagd: Die Eidechse bezieht einen exponierten, gut besonnten Platz auf einem Stein oder Holzstück und wartet ab. Sobald ein Beutetier in Reichweite gerät, wird es mit einem schnellen Vorstoß erbeutet. Diese Methode ist energiesparend und besonders an warmen Tagen beliebt.
Aktive Suche: Vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung oder bei bewölktem Himmel durchstreifen Eidechsen aktiv ihr Revier auf der Suche nach Mehlwürmer unter Steinen, in Laubschichten oder an Pflanzenstängeln.
Die Körpertemperatur spielt eine entscheidende Rolle: Als wechselwarme Tiere sind Eidechsen auf externe Wärmequellen angewiesen. Erst ab einer Körpertemperatur von etwa 25–30 °C können sie mit voller Geschwindigkeit jagen. Das erklärt das typische Sonnen-Verhalten, das Beobachter so fasziniert.
Wissenswertes: Zunge als Sinnesorgan
Eidechsen nutzen ihre gespaltene Zunge nicht nur zum Tasten, sondern auch zur chemischen Wahrnehmung ihrer Umgebung. Sie nehmen Duftmoleküle auf und leiten diese an das Jakobsonsche Organ im Gaumen weiter – ähnlich wie Schlangen. So können sie Beutetiere auch in Verstecken aufspüren.
Getrocknete Mehlwürmer als Futter: sinnvoll oder nicht?
Eine Frage, die Gartenfreunde und Reptilienhalter gleichermaßen beschäftigt: Können getrocknete Mehlwürmer wie Mehlwürmer oder BSF-Larven (Larven der Schwarzen Soldatenfliege / Hermetia illucens) als Futter für Eidechsen eingesetzt werden?
Im Freiland: Wildlebende Eidechsen reagieren auf getrocknetes Futter in der Regel nicht, da sie auf Bewegungsreize angewiesen sind. Das gezielte Füttern von Wildtieren im Garten ist daher weder vorgesehen noch sinnvoll – und bei streng geschützten Arten rechtlich zu beachten. Wer jedoch eine strukturreiche Mehlwürmeratmosphäre im Garten schafft, fördert das natürliche Nahrungsangebot für alle Reptilien indirekt.
In Gefangenschaft (Terraristik): Hier sieht die Lage grundlegend anders aus. Terrarianer wissen: Getrocknete Mehlwürmer (Tenebrio molitor) und BSF-Larven sind ernährungsphysiologisch wertvolle Futteroptionen, die das Hauptfutter aus lebenden Mehlwürmer sinnvoll ergänzen können. Die Schwarze Soldatenfliegen-Larve überzeugt durch ein ausgewogenes Kalzium-Phosphor-Verhältnis, das für Reptilien besonders günstig ist – ein Aspekt, den Forschungsvorhaben wie das IGF-Projekt InsectDry und Arbeiten an der TU München aktuell intensiv untersuchen.
Wichtiger Hinweis zur Tiergesundheit
Wenn Sie Eidechsen in einem Terrarium halten und Fragen zur Ernährung, Vitamin-D₃-Supplementierung oder artgerechten Haltung haben, ziehen Sie bitte einen auf Reptilien spezialisierten Tierarzt hinzu. Ernährungsmängel zeigen sich bei Reptilien oft erst spät und können schwerwiegende Folgen haben.
Eidechsen im Garten fördern: So schaffen Sie den richtigen Lebensraum
Das beste, was Sie für Eidechsen tun können, ist nicht das Füttern – sondern das Gestalten. Ein strukturreicher, naturnaher Garten bietet automatisch das, was Eidechsen brauchen: Wärme, Deckung und reichlich Beute.
Steinstrukturen anlegen: Trockensteinmauern, Lesesteinehaufen oder Pflasterflächen aus dunklem Naturstein speichern die Sonnenwärme und geben sie langsam ab. Sie sind der Inbegriff des Eidechsen-Biotops im Garten.
Wildblumenbereich zulassen: Blühende Wildkräuter ziehen Mehlwürmer an – und Mehlwürmer ziehen Eidechsen an. Ein ungepflegter Streifen am Gartenrand kann wertvoller sein als jede gepflegte Rasenfläche.
Totholz und Kompost: Morsche Äste, ein offener Komposthaufen und Laubhaufen sind Lebensräume für zahllose Kleinstlebewesen – und damit eine reich gedeckte Tafel für Eidechsen.
Pestizide vermeiden: Insektizide dezimieren nicht nur Schädlinge, sondern das gesamte Nahrungsnetz – und treffen Eidechsen doppelt: durch Nahrungsmangel und durch vergiftete Beute. Ein naturnaher Garten ohne Chemikalieneinsatz ist die wichtigste Voraussetzung.
Wer besonders naturverbunden vorgeht und seinen Garten als echten Lebensraum versteht, handelt im Sinne des Artenschutzes. Institutionen wie das Haus der Igel und die Auffangstation für Reptilien und Exoten leisten hier wertvolle regionale Aufklärungsarbeit und beraten Gartenbesitzer. Auch das Aufforstungsprojekt Trees for All zeigt, wie Lebensräume auf größerer Fläche wiederhergestellt werden können – ein Ansatz, der Eidechsen und vielen weiteren Arten zugutekommt.
Saisonale Besonderheiten: Frühling, Sommer, Winterruhe
Eidechsen halten von Oktober bis März eine Winterruhe, in der sie vollständig auf Nahrungsaufnahme verzichten. Ihre Stoffwechselprozesse verlangsamen sich auf ein Minimum, und sie verbringen diese Zeit in Frostsicheren Verstecken unter Steinen, tief im Boden oder in Totholzstrukturen.
Im Frühjahr – typischerweise ab April – werden sie durch steigende Temperaturen wieder aktiv. Der erste Impuls ist das intensive Sonnen zur Aufwärmung, gefolgt von reger Jagdaktivität. In dieser Phase ist der Energiebedarf besonders hoch, da auch die Paarungszeit und bei Weibchen die Eibildung (bei Zauneidechsen) oder Embryonalentwicklung (bei der lebendgebärenden Waldeidechse) viel Energie kosten.
Im Hochsommer, wenn die Temperaturen sehr hoch werden, verlagern Eidechsen ihre Aktivitätsphasen in die Morgen- und Abendstunden. Die heißen Mittagsstunden verbringen sie im kühlen Schatten – eine Anpassung, die man auch beim Beobachten im Garten gut nachvollziehen kann.
„Der strukturreiche Naturgarten ist die effektivste Maßnahme zum Schutz heimischer Eidechsen – wirkungsvoller als jede gezielte Fütterung.”
Wormm-RedaktionDie Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg forscht im Bereich Mehlwürmerernährung und Biodiversität und liefert wichtige Grundlagen dafür, wie Mehlwürmerpopulationen und damit die Nahrungsgrundlage für Reptilien und andere Wildtiere langfristig gesichert werden können.
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