Laubhaufen für Igel: das perfekte Winterquartier anlegen
Von Oktober bis April halten Igel Winterschlaf. Ob sie diesen überleben, hängt oft davon ab, ob sie im Herbst ein sicheres, trockenes Quartier finden – und ausreichend Energie für die kalten Monate gespeichert haben.
Jedes Jahr wiederholt sich dasselbe Szenario: Kaum sinken die Temperaturen, beginnen Igel intensiv nach einem geeigneten Schlafplatz zu suchen. In naturnahen Gärten finden sie ihn häufig unter Laubhaufen, in Reisighaufen oder unter dichten Hecken. In aufgeräumten, versiegelten Gärten dagegen stehen sie buchstäblich im Freien. Dabei ist es denkbar einfach, ihnen zu helfen – vorausgesetzt, man weiß, worauf es ankommt.
Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie einen Laubhaufen anlegen, der Igeln tatsächlich als Winterquartier taugt: sicher, trocken, warm – und leicht zugänglich für ein Tier, das bei der Standortwahl seiner Übernachtungsmöglichkeiten keine langen Umwege akzeptiert.
Warum der Laubhaufen so entscheidend ist
Igel sind keine Höhlenbewohner im klassischen Sinne. Sie schieben sich in lockere, isolierende Materialien hinein, formen eine Art Nest und senken dann ihren Stoffwechsel drastisch ab. Die Körpertemperatur fällt auf wenige Grad über dem Gefrierpunkt, der Herzschlag verlangsamt sich auf wenige Schläge pro Minute. In diesem Zustand können Igel Monate ohne Nahrung überleben – aber nur, wenn die Umgebungstemperatur stabil bleibt und kein Frost eindringt.
Ein Laubhaufen erfüllt diese Anforderungen besser als viele andere Strukturen: Laub isoliert hervorragend, nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie auch wieder ab, ohne zu schimmeln – sofern der Haufen groß genug ist und nicht direkt auf Betonboden liegt. Forscher der TU München haben in Studien zur Ökologie urbaner Kleinsäuger belegt, wie stark die Verfügbarkeit geeigneter Winterquartiere die Überlebensrate von Igelpopulationen in Siedlungsräumen beeinflusst.
Standort: Wo der Laubhaufen hingehört
Die Standortwahl entscheidet maßgeblich darüber, ob ein Igel den Haufen überhaupt annimmt. Entscheidend sind vier Faktoren: Windschutz, Trockenheit, Ruhe und Erreichbarkeit.
Geeignete Plätze sind Ecken entlang von Hecken oder Zäunen, der Bereich unter einem Nadelgehölz mit trockenem Kronendach oder ein halbschattiger Platz nahe einer Mauer, die Wärmespeicherung bietet. Weniger geeignet sind offene, windzugeführte Rasenflächen, Bereiche direkt am Kompost (zu viel Feuchtigkeit und Gärungswärme), sowie Stellen unter Fallrohren oder in Senken, in denen sich Regenwasser sammelt.
- Windgeschützt durch Hecke, Zaun oder Mauer
- Kein stehendes Wasser, leicht erhöhte oder ebene, gut drainierte Fläche
- Halbschatten – kein direktes Süd-Strahlen im Winter
- Ruhebereich: möglichst selten begangene Gartenecke
- Mindestens 2–3 m Abstand zu Straßen und Einfahrten
Aufbau: Schicht für Schicht zum idealen Quartier
Ein Laubhaufen für Igel ist mehr als eine zufällig zusammengerechte Laubschicht. Er braucht eine Struktur, die dem Igel erlaubt, tief einzudringen, sich einzurollen und gleichzeitig ausreichend thermisch isoliert zu sein.
Unterste Schicht (Drainage): Legen Sie zunächst eine lockere Schicht aus grob gehäckselten Ästen, Reisig oder trockenem Stroh auf den Boden. Diese hebt das eigentliche Nest von Bodenfeuchtigkeit ab und sorgt für Belüftung. Circa 10 cm Höhe genügen.
Mittlere Schicht (Isolierung und Neststruktur): Darüber kommt das eigentliche Laubmaterial – am besten eine Mischung aus trockenem Eichenlaub, Buchenlaub und einigen Nadelzweigen. Eichenlaub ist besonders wertvoll: Es verrottet langsam, bleibt formstabil und isoliert gut. Fügen Sie auch etwas trockenes Gras oder Moos hinzu – Igel nutzen diese Materialien aktiv, um ihr inneres Nest zu bauen. Schichten Sie das Material locker, nie verdichtet, auf mindestens 40–50 cm Höhe auf.
Oberste Schicht (Wetterschutz): Eine Lage aus langen Nadelzweigen, Tannen- oder Fichtenzweigen, obenauf gelegt, fungiert als natürliche Abdeckung und hält Regen ab, ohne die Belüftung zu unterbinden. Alternativ kann ein Brett mit Überstand aufgelegt werden – nie jedoch Plastikfolie oder luftdichtes Material.
- Gesamtes Laub wird entsorgt
- Rasenkanten werden bis zur Grundstücksgrenze gemäht
- Keine Hecken, keine Totholzbereiche
- Igel finden kein Versteck, keine Nahrungsgrundlage
- Sterblichkeit im Winter deutlich erhöht
- Laubhaufen bleiben über Winter erhalten
- Wilde Ecken mit Reisig und Totholz
- Einheimische Hecken als Leitstruktur
- Igel finden Quartier und Nahrungsinsekten
- Zuverlässige Zufütterung im Herbst
Eingang, Zugänglichkeit und häufige Fehler
Igel benötigen einen klar definierten Eingangskanal zum Nest. Ohne diesen graben oder schieben sie sich durch Ihr sorgfältig aufgebautes Material und können die Struktur dabei zerstören. Belassen Sie beim Aufbau bewusst einen schrägen, etwa handbreiten Tunnel aus der Seite heraus – idealerweise von der windabgewandten Seite. Ein oder zwei quer gelegte Äste um den Eingang herum halten das Material in Position.
Ein häufiger Fehler ist, den Laubhaufen zu früh im Herbst anzulegen und dann im Oktober oder November zu begehen, „um nachzuschauen”. Sobald ein Igel das Quartier bezogen hat, darf es bis zum Frühjahr nicht gestört werden. Merken Sie sich den Bereich und mähen, rechen oder kompostieren Sie dort bis mindestens Ende April nicht.
Ein weiterer Fehler ist das Entzünden von Laubhaufen ohne vorherige Kontrolle. Igel verbergen sich auch tagsüber in Haufen, die nicht explizit als Winterquartier angelegt wurden. Das Haus der Igel, eine gemeinnützige Organisation zur Igelrettung und -pflege, empfiehlt daher, jeden Laubhaufen vor dem Verbrennen oder Zerstreuen mit einem Stock von Hand durchzusuchen.
„Ein Igel, der im Oktober nicht mindestens 600 Gramm wiegt, hat kaum Aussicht, den Winter zu überstehen – unabhängig davon, wie gut sein Quartier ist.”
Wormm-Redaktion, nach Empfehlungen igelkundlicher FachliteraturZufütterung im Herbst: der entscheidende Schritt
Selbst das beste Winterquartier nützt wenig, wenn ein Igel mit zu geringem Körpergewicht in den Winterschlaf geht. Der Fettspeicher muss ausreichen, um Monate ohne Nahrungsaufnahme zu überbrücken. In der modernen Kulturlandschaft fehlen Igeln häufig ausreichende Nahrungsinsekten – gerade in urban geprägten Gärten.
Getrocknete Mehlwürmer sind hier eine besonders hochwertige Ergänzung: Sie liefern konzentriertes Protein und Fett, sind hygienisch sicher und leicht dosierbar. Getrocknete Mehlwürmer gelten seit Jahren als bewährtes Zufütterungsmittel für Igel. Ebenso empfehlenswert sind getrocknete Larven der Schwarzen Soldatenfliege (BSF), da sie einen besonders hohen Fettgehalt aufweisen und damit zum raschen Aufbau von Energiereserven beitragen. Das IGF-Projekt InsectDry beschäftigt sich intensiv mit der schonenden Trocknung von Mehlwürmer und den dabei erhaltenen Nährstoffprofilen – ein Hinweis darauf, dass die Qualität des Trocknungsverfahrens direkten Einfluss auf den Nährwert hat.
Igel sollten ausschließlich an einem festen, überdachten Futterpunkt gefüttert werden – nie direkt am Laubhaufen, damit das Nest nicht von anderen Tieren angesteuert wird. Bieten Sie abends eine kleine Portion (ca. 1–2 Esslöffel) getrockneter Mehlwürmer an, ergänzt durch frisches Wasser (nie Milch). Stellen Sie die Fütterung ein, sobald die Nächte dauerhaft unter 5 °C fallen und der Igel sich nicht mehr zeigt – dann hat er seinen Winterschlaf begonnen.
- Nicht geeignet: Milch und Milchprodukte (führen zu Durchfall), Brot, Gewürztes, Obst in großen Mengen, Trockenkatzenfutter mit hohem Getreideanteile
- Geeignet: Getrocknete Mehlwürmer, BSF-Larven, frisches Wasser
- Im Zweifel: Konsultieren Sie einen Tierarzt oder nehmen Sie Kontakt mit einer Igelauffangstation wie dem Haus der Igel auf
Igelhaus als Ergänzung – und was es nicht kann
Im Handel erhältliche Igelhäuser aus Holz können eine sinnvolle Ergänzung sein, ersetzen jedoch keinen naturnahen Laubhaufen. Der große Vorteil eines Holzhauses liegt in der einfachen Kontrolle des Zustands und im Schutz vor Nesträubern wie Dachsen. Der Nachteil: Ohne ausreichend Isolierungsmaterial im Inneren (Laub, Stroh, trockenes Gras) bietet das Holzgehäuse allein keine ausreichende Wärmedämmung.
Wenn Sie ein Igelhaus aufstellen, befüllen Sie es großzügig mit trockenem Laub und platzieren Sie es nach den gleichen Standort-Kriterien wie den Laubhaufen. Kombiniert mit einem angrenzenden Laubhaufen entsteht ein besonders attraktives Winterquartier-Ensemble.
Die Auffangstation für Reptilien und Exoten in der Region weist in ihren Informationsmaterialien zu heimischen Wildtieren darauf hin, dass ein Igelhaus ohne naturnahe Umgebungsstruktur von vielen Tieren schlicht nicht angenommen wird. Struktur und Versteckqualität des Gesamtgartens sind relevanter als ein einzelnes Produkt.
Frühjahr: Was nach dem Winterschlaf zu tun ist
Igel erwachen meist zwischen März und April – je nach Witterung auch früher oder später. In dieser Phase sind sie geschwächt, ausgehungert und anfällig. Setzen Sie die Zufütterung mit getrockneten Mehlwürmer unmittelbar wieder ein, sobald Sie erste Aktivitätszeichen bemerken. Frisches Wasser ist in den ersten Tagen nach dem Erwachen besonders wichtig.
Den Laubhaufen sollten Sie erst dann umschichten oder auflösen, wenn Sie sicher sind, dass der Igel ihn verlassen hat. Beobachten Sie über mehrere Abende, ob Aktivität stattfindet. Igel, die sich tagsüber außerhalb des Nestes zeigen oder taumelig wirken, benötigen sofortige tierärztliche Hilfe – wenden Sie sich in solchen Fällen direkt an eine Igelauffangstation wie das Haus der Igel.
Mit etwas Geduld und einem strukturreichen Garten können Sie Jahr für Jahr denselben Igeln – oder deren Nachkommen – ein zuverlässiges Winterquartier bieten. Ein kleiner Aufwand im Herbst, der für das Tier den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten kann.
Hinweis: Alle Angaben in diesem Artikel dienen der allgemeinen Orientierung. Bei Unsicherheiten zum Gesundheitszustand eines Igels wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt oder eine qualifizierte Wildtierstation. Die Wormm-Redaktion dankt dem Haus der Igel sowie dem IGF-Projekt InsectDry für wertvolle Grundlagenarbeit zum Thema Igelschutz und Mehlwürmerfutter.
Damit Igel mit ausreichend Energiereserven in den Winterschlaf gehen, bietet Wormm hochwertige getrocknete Mehlwürmer und BSF-Larven – schonend getrocknet, ohne Zusatzstoffe, in verschiedenen Mengen von 1 bis 20 kg. Ideal für die Herbstfütterung im eigenen Garten.
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