Igel gehören zu den faszinierendsten Wildtieren unserer Gärten – und zugleich zu den gefährdetsten. Lebensraumverlust, intensive Landwirtschaft und strukturarme Stadtgärten setzen den Tieren seit Jahrzehnten zu. Wer ein Igelhaus aufstellt, leistet einen konkreten Beitrag zum Artenschutz vor der eigenen Haustür. Das Beste daran: Ein stabiles, gut konzipiertes Igelquartier lässt sich mit einfachen Werkzeugen, unbehandeltem Holz und einem Nachmittag Arbeitszeit selbst herstellen.

In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Maße entscheidend sind, wie der Bau Schritt für Schritt gelingt, welcher Standort die Überwinterungsquote erhöht und wie Sie das Haus dauerhaft igelsicher pflegen.

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Warum ein selbst gebautes Igelhaus oft besser ist als ein Fertigprodukt

Im Handel erhältliche Igelhäuser variieren stark in Qualität und Abmessungen. Viele sind zu klein, zu dünnwandig oder verwenden Holz, das Feuchtigkeit schlecht verträgt. Ein selbst gebautes Haus dagegen lässt sich exakt auf die Bedürfnisse der Tiere abstimmen: massive Wandstärke für Wärmedämmung, ein abnehmbares Dach zur Kontrolle und Reinigung sowie ein Eingangskanal, der Fressfeinde wie Marder zuverlässig abhält.

Experten wie die Fachkräfte des Haus der Igel e. V. betonen regelmäßig, dass die Innenraumtemperatur eines gut gebauten Hauses selbst bei tiefen Außentemperaturen mehrere Grad wärmer bleibt als die Umgebung – ein entscheidender Überlebensvorteil für ein Tier, dessen Herzschlag im Winterschlaf auf wenige Schläge pro Minute sinkt.

15–20 mm
Wandstärke Holz
≥ 40 cm
Eingangskanal-Länge
20 cm
Innenhöhe Schlafkammer
0 °C
Auslöser Winterschlaf
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Material und Werkzeug: Was Sie brauchen

Verwenden Sie ausschließlich unbehandeltes, naturbelassenes Holz. Imprägnierungen, Lacke oder Beizen können die empfindlichen Schleimhäute der Tiere reizen. Gut geeignet sind heimische Hölzer wie Fichte, Tanne oder Lärche – letztere ist von Natur aus witterungsbeständiger und damit ideal für Außenbereiche.

Empfohlen

Geeignete Holzarten

  • Lärche (natur-resistent, formstabil)
  • Fichte / Tanne (günstig, gut verfügbar)
  • Eiche (sehr langlebig, schwerer)
  • Wandstärke: 18–20 mm
Nicht geeignet

Problematische Materialien

  • Spanplatten / OSB (quillt auf, schimmelt)
  • Imprägniertes oder druckbehandeltes Holz
  • Kunststoff (Kondenswasser, keine Atmung)
  • Wandstärke unter 12 mm

Werkzeug: Säge (Hand- oder Stichsäge), Bohrmaschine, Holzschrauben (Edelstahl 3,5 × 40 mm), Schleifpapier (Körnung 80/120), Wasserwaage, Maßband, Bleistift. Optional: Dachpappe oder Bitumenband für den Dachabschluss.

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Schritt-für-Schritt-Anleitung mit genauen Maßen

Das folgende Bauplan-Konzept folgt dem bewährten Grundprinzip: eine abgetrennte Schlafkammer mit vorgelagertem Eingangskanal. Der Kanal verhindert, dass Marder oder Katzen direkt in die Kammer greifen können.

Zuschnittliste (Außenmaße Schlafkammer: 35 × 35 × 22 cm):

  • Boden: 35 × 35 cm (1×). Bohren Sie 4–6 kleine Lüftungslöcher (Ø 6 mm) in die Ecken, damit kein Stauwasser entsteht.
  • Seitenteile: 35 × 22 cm (2×, links und rechts).
  • Rückwand: 35 × 22 cm (1×). Keine Öffnung nötig.
  • Vorderwand: 35 × 22 cm (1×), mittig eine Öffnung 12 × 12 cm für den Kanal-Anschluss.
  • Dach: 40 × 40 cm (1×, Überstand ringsum 2–3 cm). Das Dach wird nicht festgeschraubt, sondern nur aufgelegt – so können Sie das Haus im Frühjahr reinigen. Optional mit Dachpappe bekleben.
  • Eingangskanal: Bauen Sie einen L- oder geradlinigen Tunnel aus vier Brettchen (je 40 × 14 cm), der ein Innenmaß von 12 × 12 cm ergibt. Gesamtlänge mind. 40 cm. An der Außenöffnung optional ein herausnehmbares Gitter (Maschendraht, 25 × 25 mm) als Sicherung gegen ungebetene Gäste.

Schrauben Sie die Schlafkammer von unten durch den Boden zusammen. Verbinden Sie anschließend den Kanal mit der Vorderwand, sodass eine stabile, einteilige Einheit entsteht. Alle Innenkanten leicht abschleifen – damit sich keine Splitter im Fell der Tiere verfangen.

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Der richtige Standort: Diese Faktoren entscheiden

Ein optimal gebautes Haus nützt wenig, wenn der Standort falsch gewählt ist. Igel sind scheue Tiere mit einem ausgeprägten Fluchtinstinkt – Lärm, Erschütterungen und helles Licht während des Winterschlafs können lebensbedrohlich sein.

Checkliste Standort:

  • Halbschattige bis schattige Lage, idealerweise unter Sträuchern, einer Hecke oder am Komposthaufen – hier fühlen sich Igel natürlicherweise wohl.
  • Eingang nicht in Richtung der Hauptwindrichtung (meist West/Nord-West in Deutschland). Nach Süd-Ost oder Ost ausrichten.
  • Das Haus leicht angehoben auf zwei schmalen Holzleisten aufsetzen, damit keine Feuchtigkeit von unten eindringen kann.
  • Ausreichend Laub und trockenes Gras als Einstreumaterial um und über das Haus häufen – das verbessert die Wärmedämmung erheblich und tarnt das Quartier.
  • Mindestabstand zu belebten Wegen, Terrassen und Lichtquellen: ≥ 3 Meter. Störungen während des Winterschlafs kosten den Tieren wertvolle Energiereserven.
  • Nicht in Überschwemmungsbereichen aufstellen. Das Haus sollte bei Starkregen trocken bleiben.

„Ein Igelhaus ist nur so gut wie sein Standort. Wer das Quartier konsequent ruhig hält und im Winter nicht kontrolliert, gibt dem Tier die beste Überlebenschance.”

Wormm-Redaktion – basierend auf Empfehlungen des Haus der Igel e. V.
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Einstreu, Wintervorbereitung und Futter

In der freien Natur sammeln Igel selbst Laub, Moos und Gras als Nestmaterial. Im Garten können Sie diese Arbeit erleichtern: Legen Sie einen kleinen Haufen trockenes Herbstlaub direkt neben dem Eingang bereit. Der Igel trägt das Material selbst ein – was auch zur Reizanreicherung und Aktivität vor dem Winterschlaf beiträgt.

Kein Watte, kein Heu, kein Stroh. Watte kann sich um Beine und Zehen wickeln und Verletzungen verursachen. Heu und Stroh schimmeln bei Feuchte schnell und schaden den Atemwegen.

Zur Unterstützung der Fettreserven vor dem Winterschlaf (September bis November) ist ein eiweißreiches Zufüttern sinnvoll. Getrocknete Mehlwürmer und getrocknete Larven der Schwarzen Soldatenfliege (BSF) sind dabei besonders wertvoll: Sie liefern hochwertiges Protein und essenzielle Fettsäuren, die der Igel für seinen Winterschlaf braucht. Die Wormm-Redaktion empfiehlt, die Futtermenge auf eine kleine Handvoll pro Abend zu begrenzen – zu viel Zufütterung macht die Tiere unselbstständig.

Gesundheitshinweis

Beobachten Sie den Igel regelmäßig vor dem Winterschlaf. Ein Tier unter 500 g Körpergewicht im Oktober/November kann den Winterschlaf nicht überleben. In diesem Fall wenden Sie sich an eine anerkannte Igelstation – etwa das Haus der Igel – oder konsultieren Sie eine tierärztliche Praxis mit Erfahrung in der Wildtierversorgung.

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Pflege und Reinigung im Frühjahr

Nach dem Ende des Winterschlafs (meist April, in kälteren Lagen Mai) verlässt der Igel sein Quartier endgültig. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für die Jahrespflege:

  • Das Dach abnehmen und das alte Nistmaterial vollständig entfernen. Parasiten (Flöhe, Milben) überwintern gerne in altem Laub.
  • Innenraum mit einer harten Bürste trocken ausreiben. Kein Reinigungsmittel, kein Desinfektionsmittel – chemische Rückstände schrecken künftige Bewohner ab.
  • Holz auf Schäden prüfen: Risse, Fäulnis, gelockerte Schrauben. Kleinere Risse mit unbehandeltem Bienenwachs oder Leinöl versiegeln.
  • Das Haus bis zum Herbst (September) wieder frisch befüllen und einsatzbereit machen – manche Igel nutzen das Quartier auch als Sommerschlafplatz bei großer Hitze.

Forschungsprojekte wie das IGF-Projekt InsectDry und Studien der TU München und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg zum Thema Mehlwürmerfutter und Wildtierfütterung zeigen, dass eine gut abgestimmte Ernährung in Kombination mit sicheren Überwinterungshabitaten die Überlebensrate von Stadtrandtigeln messbar verbessert. Wer beides kombiniert – stabiles Quartier und proteinreiches Zufütterung in der Vorwinterphase – gibt den Tieren die bestmögliche Unterstützung.

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Häufige Fehler – und wie Sie sie vermeiden

Auch gut gemeinte Maßnahmen können kontraproduktiv sein, wenn einige Grundprinzipien außer Acht gelassen werden.

Häufiger Fehler

Während des Winterschlafs kontrollieren

Jede Störung zwingt den Igel, seinen Stoffwechsel hochzufahren. Er verbraucht dabei Energie, die er nicht mehr aufnehmen kann. Im schlimmsten Fall verhungert das Tier noch vor dem Frühjahr.

Richtig machen

Konsequent in Ruhe lassen

Sobald der Igel im Oktober/November eingezogen ist: Haus nicht berühren, nicht anheben, nicht ins Innere leuchten. Erst nach dem natürlichen Erwachen im April reinigen und pflegen.

Weitere typische Fehler: Milch oder Brot als Futter anbieten (schadet der Verdauung stark), das Haus in vollem Sonnenlicht aufstellen (Überhitzungsgefahr) oder den Eingang mit einem festen Deckel verschließen (CO₂-Anreicherung). Für alle Fragen rund um erkrankte oder untergewichtige Tiere ist die Auffangstation für Reptilien und Exoten in Ihrer Region – oder das lokale Igelzentrum – die erste Anlaufstelle.

Wenn Sie zusätzlich Garten-Ökologie fördern möchten: Wildvogelfütterung und Igelschutz ergänzen sich hervorragend. Wildvögel fressen keine Konkurrenz weg, sondern bringen Bewegung und Mehlwürmer in den Garten – beides nützt auch dem Igel.