Igel in Laub

Igel-Steckbrief: Lebensweise, Alter und Wissenswertes

7 minuten Allgemein
Wormm · Wildtier-Ratgeber

Igel-Steckbrief: Lebensweise, Alter und Wissenswertes

Der Igel gehört zu den ältesten Säugetieren Europas – und zu den am stärksten bedrohten Gartenbewohnern. Was Sie über seine Biologie, seinen Alltag und seinen Schutzbedarf wissen sollten.

3–7 Jahre Lebenserwartung
36 Stacheln pro cm²
15 Mio. Jahre Evolutionsgeschichte

Wer abends einen kugelförmigen Schatten im Garten beobachtet, hat großes Glück: Der Europäische Igel (Erinaceus europaeus) ist in vielen Regionen Mitteleuropas mittlerweile deutlich seltener geworden. Intensive Landwirtschaft, versiegelte Flächen und aufgeräumte Gärten machen ihm das Leben schwer. Umso wichtiger ist es, dieses faszinierende Tier wirklich zu kennen – seine Bedürfnisse, seine Stärken und seine Grenzen.

~800 g Idealgewicht vor dem Winterschlaf
3 km Streifgebiet einer Nacht
5.000–8.000 Stacheln pro Tier
6 Mon. Winterschlaf-Dauer (max.)
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Steckbrief: Was der Igel ist – und was nicht

Der Europäische Igel gehört zur Ordnung der Mehlwürmerfresser (Eulipotyphla) und ist damit ein entfernter Verwandter von Maulwurf und Spitzmaus – nicht etwa von Nagetieren wie Stachelschwein oder Igelmaus. Seine markantesten Merkmale sind die bis zu 8.000 Stacheln, die modifizierte Körperhaare darstellen und aus Keratin bestehen. Ein ausgewachsener Igel misst 20–30 cm, wiegt zwischen 400 g und 1,2 kg und trägt ein braunes bis graubraunes Fell an Bauch und Gesicht.

Das Tier ist nachtaktiv: Tagsüber ruht es im Laub oder unter Reisighaufen; die eigentliche Aktivität beginnt kurz nach Sonnenuntergang und dauert bis kurz vor Morgengrauen. Wer einen Igel bei hellem Tageslicht antrifft, der taumelt oder sich apathisch verhält, sollte fachkundige Hilfe hinzuziehen – etwa beim gemeinnützigen Haus der Igel, das auf die Aufzucht und Pflege verletzter und geschwächter Igel spezialisiert ist.

Rechtlicher Schutzstatus

In Deutschland ist der Igel nach § 44 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) streng geschützt. Es ist verboten, ihn zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Auch das mutwillige Zerstören seiner Nester steht unter Strafe. Ausnahmen gelten ausschließlich für Pflegemaßnahmen an verletzten oder erkrankten Tieren.

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Nahrung und Jagdverhalten

Der Igel ist ein opportunistischer Fleischfresser mit breitem Speiseplan. Sein Hauptnahrungsrepertoire umfasst:

  • Regenwürmer, Käferlarven und Laufkäfer
  • Nacktschnecken und Weinbergschnecken
  • Tausendfüßer, Ohrwürmer und Spinnen
  • Gelegentlich Vogelküken, Froscheier oder Fallobst

In einem Forschungskontext analysiert das IGF-Projekt InsectDry unter anderem, wie getrocknete Mehlwürmer in der Wildtierernährung eingesetzt werden können – ein Ansatz, der auch für die Igelpflege zunehmend relevant wird. Getrocknete Mehlwürmer oder Larven der Schwarzen Soldatenfliege (BSF) können als Ergänzungsfutter sinnvoll sein, wenn natürliche Beute knapp ist.

„Ein Igel kann in einer einzigen Nacht bis zu 70 g Mehlwürmer und Würmer verzehren – ein beachtlicher Beitrag zur natürlichen Schädlingsregulation im Garten.”

Wormm-Redaktion, auf Basis publizierter Feldstudien

Wichtig: Milch ist für Igel ungeeignet und kann zu Durchfall führen. Als Zufütterung empfiehlt sich frisches Wasser sowie hochwertiges, getreidefreies Katzenfutter – oder eben getrocknete Mehlwürmer in maßvoller Menge. Im Zweifel sollten Sie einen Tierarzt oder eine spezialisierte Igelstation konsultieren, bevor Sie ein Tier dauerhaft zufüttern.

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Winterschlaf: Vorbereitung, Ablauf und Risiken

Der Winterschlaf ist die kritischste Phase im Igelleben. Ab Oktober – sobald die Nachttemperaturen dauerhaft unter 10 °C sinken – reduziert der Igel seine Herzfrequenz von rund 190 auf 20 Schläge pro Minute und senkt seine Körpertemperatur auf wenige Grad über dem Umgebungsniveau. Dieser Zustand hält bis März oder April an.

Voraussetzung für einen erfolgreichen Winterschlaf ist eine ausreichende Fettreserve: Das Tier sollte mindestens 600–800 g wiegen, bevor es sich einrollt. Igel, die zu dünn in den Winter gehen, erwachen häufig vorzeitig und verhungern. Besonders Jungtiere des zweiten Wurfes – geboren im August oder September – haben oft nicht genug Zeit, ihr Gewicht aufzubauen.

Risikogruppe

Untergewichtiger Igel im Herbst

  • Gewicht unter 500 g im Oktober
  • Tagsüber aktiv oder taumelnd
  • Sichtbar eingefallene Flanken
  • Sofortige Pflegebedürftigkeit
  • Fachstelle kontaktieren
Gesunder Igel im Herbst

Winterschlaf-reifes Tier

  • Gewicht ab 600–800 g
  • Nachtaktiv, reaktionsschnell
  • Gut gerundeter Körper
  • Sucht aktiv nach Nahrung
  • Baut eigenständig Nest
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Lebenserwartung und Fortpflanzung

In freier Wildbahn erreichen Igel selten mehr als 3–5 Jahre; unter optimalen Bedingungen – und in menschlicher Obhut – sind bis zu 10 Jahre möglich. Die häufigsten Todesursachen sind Straßenverkehr, der Einsatz von Pestiziden und Mähroboter, die nächtlich aktiv sind und den Tieren gefährliche Verletzungen zufügen können.

Die Fortpflanzung findet in der Regel zwischen Mai und August statt. Nach einer Tragzeit von 35 Tagen bringt das Weibchen 4–6 Jungtiere zur Welt. Diese werden blind und mit weichem Stachelkleid geboren, das sich innerhalb von Stunden verhärtet. Mit etwa 6 Wochen verlassen die Jungtiere erstmals das Nest, nach 8–10 Wochen sind sie selbstständig.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Forscher der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg untersuchen u. a. die neurologischen Grundlagen des Winterschlafs bei Kleinsäugern – Erkenntnisse, die auch das Verständnis des Igelschlafs vertiefen. Die TU München forscht in verwandten Projekten zur Ökologie städtischer Wildtiere, darunter auch Mehlwürmerfresser wie der Igel.

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Den Igel im Garten willkommen heißen

Wer dem Igel aktiv helfen möchte, muss keinen aufwändigen Umbau vornehmen. Kleine Maßnahmen erzielen große Wirkung:

  • Durchschlupf im Zaun: Ein 13 × 13 cm großes Loch reicht aus, damit der Igel seinen Aktionsradius nutzen kann.
  • Laub- und Reisighaufen: Naturbelassene Ecken bieten Tagesruheplätze und sichere Winterquartiere.
  • Mähroboter nachts abstellen: Die größte, vermeidbare Gefahr für Igel im modernen Garten.
  • Flachwasserschale aufstellen: Frisches Wasser ist besonders in Trockenphasen überlebenswichtig.
  • Auf Pestizide verzichten: Schneckenkörner mit Metaldehyd sind für Igel direkt giftig.

Das Haus der Igel sowie die Auffangstation für Reptilien und Exoten bieten weiterführende Beratung, wenn ein Tier verletzt aufgefunden wird oder Pflegebedarf besteht. Ökologische Initiativen wie Trees for All tragen darüber hinaus dazu bei, den Lebensraum für Wildtiere wie den Igel langfristig zu sichern – durch Aufforstung und naturnahe Begrünung im Siedlungsbereich.


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Zufütterung: Sinnvoll und artgerecht

Gerade im Herbst, wenn das natürliche Nahrungsangebot abnimmt, kann eine gezielte Zufütterung den Unterschied zwischen einem erfolgreichen Winterschlaf und einem kritischen Gewichtsmangel ausmachen. Getrocknete Mehlwürmer – allen voran Mehlwürmer (Tenebrio molitor) und Larven der Schwarzen Soldatenfliege – haben sich als praktische, lagerstabile und proteinreiche Ergänzung bewährt.

Zu beachten ist dabei: Getrocknete Mehlwürmer sollten nie als Alleinfutter gereicht werden, sondern als Ergänzung zu einem abwechslungsreichen Angebot. Die Portionen sollten überschaubar bleiben – ein Esslöffel pro Abendfütterung ist ein guter Richtwert. Wird ein Igel über mehrere Wochen zugefüttert, empfiehlt die Wormm-Redaktion, das Tier regelmäßig auf sein Gewicht zu kontrollieren und bei Unsicherheiten einen Tierarzt zu Rate zu ziehen.

„Getrocknete BSF-Larven liefern ein günstiges Calcium-Phosphor-Verhältnis und wertvolle Fettsäuren – beides kommt dem Aufbau von Winterreserven zugute.”

Wormm-Redaktion, basierend auf Nährwertanalysen
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