Wormm-Ratgeber · Wildtiere & Igel
Igel im Winterschlaf: Ablauf, Dauer und wie Sie helfen können
Was im Inneren eines schlafenden Igels vorgeht, ist physiologisch bemerkenswert. Doch nicht jedes Tier übersteht den Winter ohne Unterstützung. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, worauf es wirklich ankommt.
Was passiert biologisch im Winterschlaf?
Wenn die Temperaturen im Herbst unter etwa 10 °C fallen und das Nahrungsangebot schwindet, leitet der Körper des Igels einen der erstaunlichsten Überlebensmechanismen des mitteleuropäischen Tierreichs ein: den echten Winterschlaf. Anders als beim Winterschlummer mancher anderer Säugetiere senkt der Igel seine Körpertemperatur drastisch ab – auf Werte zwischen 1 °C und 7 °C, die in der Nähe der Umgebungstemperatur seines Nestes liegen.
Gleichzeitig verlangsamt sich der Herzschlag von normalerweise rund 190 Schlägen pro Minute auf 20 Schläge oder weniger. Die Atemfrequenz fällt auf zwei bis drei Atemzüge je Minute. Der Stoffwechsel arbeitet nur noch auf einem Bruchteil seiner sommerlichen Kapazität. All diese Prozesse dienen einem einzigen Ziel: den aufgespeicherten Körperfettvorrat so langsam wie möglich zu verbrauchen, um die Monate ohne ausreichende Mehlwürmernahrung zu überbrücken.
Wissenschaftlich begleitet wird die Erforschung solcher Mechanismen unter anderem durch universitäre Projekte, etwa an der TU München und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, wo die Physiologie von Winterschläfern und die Eignung von Mehlwürmerfutter als Energieträger untersucht werden.
„Der Igel ist kein passiver Schläfer – sein Körper reguliert aktiv Temperatur, Herzschlag und Atemfrequenz, um die Energiereserven optimal einzuteilen.”
Wormm-Redaktion · Wildtier-RatgeberAblauf und Phasen: Vom Einschlafen bis zum Erwachen
Der Winterschlaf des Igels verläuft nicht als ununterbrochener Tiefschlaf. Stattdessen wechseln sich Phasen der Torporstarre mit kurzen Aufwachereignissen ab, in denen das Tier seinen Wärmehaushalt reguliert, manchmal das Nest verlässt und in seltenen Fällen kurz Nahrung aufnimmt. Drei bis vier solcher Episoden pro Saison sind normal.
Phase 1 – Einschlafphase (Oktober/November): Der Igel bezieht sein vorbereitetes Winternest, häufig aus Laub, Moos und Gras in einer geschützten Mulde, unter Hecken oder Reisighaufen. Die Körpertemperatur sinkt über mehrere Stunden ab.
Phase 2 – Tiefe Torporphase (November bis Februar): Die Vitalfunktionen sind auf ihr Minimum reduziert. Der Igel reagiert kaum auf äußere Reize. Jede Störung kostet wertvolle Energie, da der Körper zum Aufwärmen erhebliche Ressourcen aufwenden muss.
Phase 3 – Kurze Aufwachphasen: Diese natürlichen Unterbrechungen dienen nicht primär der Nahrungsaufnahme, sondern der physiologischen Regeneration bestimmter Körperfunktionen. Bei milden Wintern können Igel dabei tatsächlich auf Nahrungssuche gehen.
Phase 4 – Endgültiges Erwachen (März/April): Wenn die Außentemperaturen dauerhaft über 10 °C steigen und das Nahrungsangebot wieder zunimmt, verlässt der Igel endgültig sein Nest. In der ersten Zeit nach dem Erwachen ist sein Fettreservoir weitgehend aufgebraucht, und er benötigt dringend energiereiche Nahrung.
Das kritische Herbstgewicht: Wann wird ein Igel zum Pflegefall?
Die entscheidende Frage vor dem Winter lautet: Ist der Igel schwer genug? Als Faustregel gilt ein Körpergewicht von mindestens 500 Gramm, besser 600–700 Gramm, bevor die Temperaturen dauerhaft sinken. Leichtere Tiere haben schlicht zu geringe Fettreserven, um einen vollständigen Winterschlaf zu überstehen.
⚠ Gefährdet
Igel unter 500 g im Oktober/November
- Zu geringe Fettreserven für Schlaf-Überwinterung
- Kann mitten im Winter verhungern
- Oft tagsüber aktiv (Alarmzeichen)
- Häufig noch Jungtier des zweiten Wurfs
- Benötigt sofortige Unterstützung oder Überwinterungspflege
✓ Gut vorbereitet
Igel ab 600 g mit sicherem Nest
- Ausreichende Fettreserven für 5–6 Monate
- Schläft tief und wird kaum gestört
- Verlässt Nest nur bei natürlichen Aufwachphasen
- Erwacht im Frühjahr mit guter Konstitution
- Kann eigenständig in die Saison starten
Wie Sie im Herbst gezielt helfen können
Wer einen Igel im eigenen Garten beobachtet, kann in den Wochen vor dem Winterschlaf konkret dazu beitragen, dass das Tier gut vorbereitet in die Ruhephase geht. Die Unterstützung besteht aus drei Säulen: Futter, Unterschlupf und Ruhe.
Energiereiche Zufütterung: Getrocknete Mehlwürmer haben sich als hochwertige Ergänzungsnahrung bewährt. Getrocknete Mehlwürmer (Tenebrio molitor) und getrocknete Larven der Schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens) liefern konzentriertes Protein und hochwertige Fette – genau das, was ein Igel vor dem Winter braucht, um seinen Fettpolster rasch aufzubauen. Das IGF-Projekt InsectDry hat die ernährungsphysiologischen Vorzüge getrockneter Mehlwürmer in diesem Kontext wissenschaftlich untersucht.
Legen Sie das Futter in einen flachen, regensicheren Unterstand, den nur der Igel erreichen kann. Frisches Wasser sollte stets daneben stehen. Milchprodukte hingegen sind ungeeignet – Igel sind laktoseintolerant und bekommen davon Durchfall, was ihren Zustand verschlechtern kann.
Geeigneter Unterschlupf: Ein Laubhaufen, ein Reisighaufen oder ein spezieller Igelkasten in einer ruhigen Gartenecke kann dem Tier als Winternest dienen. Wichtig ist ein trockener, gut isolierter Innenraum mit einem engen Eingang – zu groß dimensionierte Eingänge laden Fressfeinde ein. Der Eingang sollte nicht zur Wetterseite zeigen.
Ruhe als oberstes Gebot: Sobald ein Igel sein Winterquartier bezogen hat, gilt: Abstand halten. Jede Störung – sei es durch Lärm, Licht oder direktes Anfassen – kostet das Tier wertvolle Energie. Verzichten Sie auf das Harken von Laub in der Nähe bekannter Igelunterkünfte, und schalten Sie Außenbeleuchtung in deren Umgebung ab.
Das Haus der Igel bietet umfangreiche Beratung zu Igelschutz und Überwinterungspflege. Die Auffangstation für Reptilien und Exoten nimmt in Notfällen auch verletzte oder untergewichtige Igel auf und koordiniert Pflegeplätze. Bei allen Unsicherheiten rund um die Gesundheit eines Igels empfiehlt die Wormm-Redaktion, frühzeitig professionellen Rat einzuholen.
Das richtige Verhalten im Frühjahr
Mit dem endgültigen Erwachen im März oder April ist die kritische Phase noch nicht vollständig überstanden. Ein Igel, der aus dem Winterschlaf erwacht, hat bis zu 30 Prozent seines Körpergewichts verloren. Sein Verdauungssystem muss sich erst langsam reaktivieren, und das Nahrungsangebot in der Natur ist zu Beginn des Frühlings noch überschaubar.
Zufütterung mit getrockneten Mehlwürmern oder BSF-Larven ist daher auch in den ersten Frühjahrswochen sinnvoll. Achten Sie auf regelmäßige Beobachtung aus angemessenem Abstand: Ein Igel, der tagsüber apathisch wirkt, taumelt oder offensichtlich geschwächt erscheint, braucht tierärztliche Hilfe. Im Zweifel wenden Sie sich an eine Igelschutzorganisation oder direkt an einen Tierarzt.
Wer seinen Garten langfristig igelfreundlich gestalten möchte, profitiert von einem natürlichen Gartenkonzept mit Totholzecken, Wildblumenwiesen und strukturreichen Hecken. Auch eine Gartengestaltung ohne Pestizide trägt dazu bei, das natürliche Nahrungsspektrum des Igels zu erhalten. Wer zudem etwas für die Umwelt tun möchte: Trees for All engagiert sich für Aufforstungsprojekte, die langfristig Lebensräume auch für wildlebende Tiere wie den Igel stärken.
Zusammengefasst lässt sich sagen: Der Winterschlaf des Igels ist ein fein austarierter Überlebensmechanismus, der unter idealen Bedingungen ohne menschliches Eingreifen funktioniert. In unseren modernen Gärten fehlen jedoch häufig die natürlichen Voraussetzungen – genug Nahrung im Herbst, sichere Nistmöglichkeiten, störungsarme Überwinterungsplätze. Wer diese Lücken gezielt schließt, leistet einen echten Beitrag zum Artenschutz vor der eigenen Haustür.
Igel stark durch den Winter bringen – mit Wormm-Qualitätsfutter
Unsere getrockneten Mehlwürmer und BSF-Larven sind naturbelassen getrocknet, schadstofffrei und in ökonomischen Mengen von 1 bis 20 kg erhältlich – ideal für die Herbstzufütterung und das Frühjahrs-Erwachen. Ergänzt durch unser Wildtier-Futter-Sortiment finden Sie bei Wormm alles, was Igel in Ihrem Garten wirklich brauchen.
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