Igel isst wurmer

Soll man Igel füttern? Wann Hilfe wirklich nötig ist

7 minuten Allgemein
Ratgeber · Wildtiere im Garten

Soll man Igel füttern?
Wann Hilfe wirklich nötig ist

Igel gelten als Freunde des Gartens – doch gut gemeinte Fürsorge kann schnell zur Gefahr werden. Wir klären, wann Zufütterung wirklich hilft und worauf es dabei ankommt.

500 g
Mindestgewicht vor dem Winterschlaf
70 %
der Igel-Jungtiere überleben das erste Jahr nicht
1–3
Würfe pro Jahr – Spätlinge oft gefährdet
∼500
Stacheln pro Igel
6°C
Körpertemp. im Winterschlaf
Okt
Kritische Zufütterungszeit beginnt
3–5 km
Streifgebiet pro Nacht

Igel sind faszinierende Wildtiere, die in unseren Gärten seit jeher eine wichtige ökologische Rolle spielen. Sie vertilgen Käfer, Tausendfüßer, Schnecken und andere Kleintiere – und brauchen dafür unter normalen Umständen keine menschliche Unterstützung. Dennoch stellt sich gerade in den Übergangsmonaten des Jahres die Frage: Soll ich diesem Igel helfen? Die Antwort ist nicht pauschal, sondern hängt von wenigen, aber entscheidenden Kriterien ab.

Die Wormm-Redaktion hat die wichtigsten Fakten zur Igelversorgung zusammengestellt – damit Ihre Fürsorge wirklich ankommt und kein Schaden entsteht.

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Warum gesunde Igel keine Zufütterung benötigen

Ein ausgewachsener, gesunder Igel findet in einem naturnahen Garten oder seiner Umgebung in der Regel genug Nahrung. Sein Speiseplan ist breit: Regenwürmer, Mehlwürmer und deren Larven, Spinnen, Schnecken und gelegentlich Aas gehören dazu. In warmen Monaten legt er täglich bis zu 100 g an Körpermasse zu und erreicht so das nötige Gewicht für den Winterschlaf.

Wer gutgemeint das ganze Jahr über Futter auslegt, läuft Gefahr, das natürliche Suchverhalten des Tieres zu unterdrücken und ungewollte Gäste – Ratten, Marder – anzulocken. Dauerhafte Futterstellen können außerdem dazu führen, dass Igel ihr Streifgebiet einschränken und damit wichtige soziale und reproduktive Verhaltensweisen vernachlässigen.

„Ein Igel, der tagsüber ruhig unter einem Gebüsch schläft, ist gesund. Erst wer ihn taumeln oder mitten am Tag ziellos umherlaufen sieht, sollte handeln.”

Wormm-Redaktion
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Die entscheidenden Signale: Wann ein Igel Hilfe braucht

Es gibt klare Situationen, in denen Eingreifen richtig und wichtig ist. Das Gewicht ist das wichtigste Kriterium: Igel, die bis Oktober/November kein Körpergewicht von mindestens 500 g erreicht haben, können den Winterschlaf nicht sicher überstehen. Das betrifft vor allem Spätlinge aus dem zweiten oder dritten Wurf des Jahres.

Folgende Anzeichen deuten auf einen hilfsbedürftigen Igel hin:

  • Taumeln, Kreisen oder Torkeln – auch am helllichten Tag
  • Deutlich sichtbare Rippen oder eingesunkene Flanken
  • Offene Wunden, Parasitenbefall (starker Fliegenmadenbesatz)
  • Apathie, kein Einrollreflex bei Berührung
  • Aktivität bei Temperaturen unter 5 °C (sollte hibernieren)
  • Jungtiere unter 100 g nach Oktober
Wichtiger Hinweis

Bei ernsthaften Verletzungen, starkem Parasitenbefall oder anhaltender Apathie gehört der Igel in professionelle Hände. Wenden Sie sich an eine spezialisierte Tierauffangstation oder konsultieren Sie einen Tierarzt. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu viel fragen als zu lange warten.

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Was Igel fressen dürfen – und was nicht

Das Fütterungsangebot entscheidet darüber, ob die Maßnahme wirklich hilft. Viele gut gemeinte Hausmittel sind für Igel gefährlich. Insbesondere Milch führt zu schweren Durchfällen, weil Igel – wie die meisten Wildtiere – laktoseintolerant sind. Brot quillt im Magen auf und verdrängt wichtige Nährstoffe, ohne einen nennenswerten Nährwert zu liefern.

Ungeeignet – vermeiden
Diese Mittel schaden
  • Kuhmilch & Milchprodukte
  • Brot, Brötchen, Zwieback
  • Gewürzte oder gesalzene Speisereste
  • Süßigkeiten und Obst (zu zuckerhaltig)
  • Rohes Schweinefleisch (Aujeszky-Virus)
  • Nüsse und Körner (artfremd)
Geeignet – empfohlen
Was wirklich hilft
  • Getrocknete Mehlwürmer (Mehlwürmer, BSF-Larven)
  • Spezielles Igel-Nassfutter (Katzenfutter, getreidefrei)
  • Gekochtes, ungewürztes Wildvögelfleisch (sparsam)
  • Frisches Wasser – immer!
  • Hart gekochtes Ei (gelegentlich)

Getrocknete Mehlwürmer – allen voran Mehlwürmer (Tenebrio molitor) und die Larven der Schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens) – haben sich als besonders wertvolle Ergänzung erwiesen. Sie liefern hochwertiges Protein und natürliche Fette in einer Form, die dem artgemäßen Beutespektrum des Igels sehr nahekommt. Durch die Trocknung sind sie hygienisch unbedenklich, leicht dosierbar und lange haltbar.

Praxishinweis: Das Haus der Igel – ein auf Igelschutz spezialisiertes Netzwerk – empfiehlt für die Zufütterung untergewichtiger Tiere proteinreiche, getreidefreie Kost. Getrocknete Mehlwürmer erfüllen diese Anforderungen in besonders naturnaher Weise und werden von Igeln erfahrungsgemäß gut angenommen.

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Die richtige Methode: So füttern Sie sicher und gezielt

Füttern ohne Konzept kann mehr schaden als nützen. Wer einem untergewichtigen Igel wirklich helfen möchte, sollte einige praktische Regeln beachten:

Futtermenge und -häufigkeit: Eine kleine Portion am frühen Abend – wenn Igel naturgemäß aktiv werden – reicht aus. Rund ein bis zwei Esslöffel getrockneter Mehlwürmer oder eine kleine Portion geeignetes Nassfutter genügen. Überreste am nächsten Morgen unbedingt entfernen, um Schimmelbildung und Schädlingsbefall zu verhindern.

Futterstelle und Schutz: Eine einfache, umgestülpte Holzkiste mit einem kleinen Eingangsloch (ca. 12 × 12 cm) schützt das Futter vor Regen und hält andere, größere Tiere fern. Der Igel kann problemlos hinein, unerwünschte Gäste bleiben draußen.

Wasser: Frisches Wasser ist genauso wichtig wie das Futter selbst – besonders in trockenen Sommermonaten, wenn das natürliche Nahrungsangebot an feuchtigkeitsreichen Regenwürmern und Mehlwürmer sinkt. Ein flacher, standfester Napf in Bodennähe ist ideal.

Dauer der Zufütterung: Die Zufütterung sollte zeitlich begrenzt sein. Sobald der Igel das notwendige Wintergewicht erreicht hat oder die Temperaturen dauerhaft über 10 °C liegen und ausreichend natürliche Nahrung verfügbar ist, kann die Futtergabe schrittweise reduziert und eingestellt werden.

„Getrocknete Mehlwürmer bieten eine artnahe Eiweißquelle, die dem Igel in der Auffütterungsphase rasch hilft, sein Wintergewicht zu erreichen – ohne den Magen zu belasten.”

Wormm-Redaktion
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Lebensraum statt Futternapf: Der nachhaltigere Weg

Die wirksamste Hilfe für Igel ist keine Futtergabe, sondern die Gestaltung eines naturnahen Lebensraums. Ein Garten mit Totholzhaufen, Laubecken, heimischen Sträuchern und ungemahdeten Randstreifen bietet deutlich mehr Nahrung und Versteckmöglichkeiten als jeder Futternapf.

Wer seinen Garten igelfreundlich gestalten möchte, sollte auf Pestizide und Schneckenkorn verzichten – beides tötet nicht nur Schädlinge, sondern vergiftet auch die Nahrungsquelle des Igels direkt. Ein Teich oder eine Wasserschale mit Ausstiegshilfe verhindert außerdem, dass Igel ertrinken, die auf der Suche nach Wasser ins Wasser fallen.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Forschende der TU München und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg untersuchen im Rahmen des IGF-Projekts InsectDry, wie getrocknete Mehlwürmer als nachhaltiges Wildtier- und Heimtierfutter eingesetzt werden können. Erste Ergebnisse bestätigen die hohe Verdaulichkeit und Nährstoffdichte getrockneter Mehlwürmer und BSF-Larven für eine Vielzahl von Tierarten – ein wichtiger Beitrag zur artgerechten Wildtierversorgung.

Die Auffangstation für Reptilien und Exoten weist in ihren Pflegehinweisen darauf hin, dass auch kleine Wildtiere wie Igel bei der Aufnahme durch Pflegestationen häufig an Mangelernährung leiden – ein Zeichen, dass das natürliche Nahrungsangebot in urbanen Räumen stark gesunken ist. Getrocknete Mehlwürmer spielen dort als Erstversorgungsfutter eine zunehmend wichtige Rolle.


Für alle, die aktiv zum Arterhalt beitragen möchten, sei auch das Engagement von Trees for All erwähnt: Durch Aufforstungsprojekte entstehen neue naturnahe Lebensräume, von denen letztlich auch Igelpopulationen profitieren – denn strukturreiche Waldränder und Hecken gehören zu den wertvollsten Habitaten dieser nachtaktiven Tiere.

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