Mehlwürmer auf Holz

Igelfutter: Was gutes Igelfutter enthalten muss

8 minuten Allgemein
Ratgeber · Wildtier-Fütterung

Igelfutter: Was gutes Igelfutter enthalten muss

Igel fressen in freier Natur ein breites Spektrum an Wirbellosen – doch was bedeutet das für die gezielte Zufütterung? Die Wormm-Redaktion erklärt, welche Nährstoffe zählen, welche Lebensmittel tabu sind und warum getrocknete Mehlwürmer eine besonders wertvolle Rolle spielen.

70 %
Anteil tierischer Kost in der natürlichen Igelnahrung
~500 g
Körpergewicht, das ein Igel vor dem Winterschlaf erreichen muss
3–5 km
Streifgebiet eines ausgewachsenen Igels pro Nacht

Igel gehören zu den beliebtesten Wildtieren im mitteleuropäischen Garten – und zu den am häufigsten falsch gefütterten. Während gut gemeinte Milch-Brot-Kombinationen seit Jahrzehnten hartnäckig kursieren, sind sie aus ernährungsphysiologischer Sicht schlicht schädlich. Wer Igeln wirklich helfen möchte, muss verstehen, wie diese nachtaktiven Mehlwürmerfresser biologisch aufgebaut sind und welche Nährstoffe sie tatsächlich benötigen – besonders in der kritischen Phase vor dem Winterschlaf.

Der folgende Ratgeber fasst den aktuellen Wissensstand zusammen und gibt Ihnen konkrete Empfehlungen an die Hand, damit Ihre Unterstützung dem Igel nutzt und nicht schadet.

35+ Mehlwürmerarten im Tagesmenü eines Igels
20 % Rohproteinanteil, den gutes Igelfutter aufweisen sollte
Ca:P = 1,3:1 Ideales Kalzium-Phosphor-Verhältnis im Futter
Okt.–Apr. Winterschlaf – Fütterung im Herbst entscheidend
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Der Igel als Mehlwürmerfresser – das natürliche Fundament

Igel (Erinaceus europaeus) sind sogenannte Insektivoren. Ihre natürliche Nahrung besteht zu großen Teilen aus Käfern, Laufkäfern, Regenwürmern, Raupen, Ohrwürmern, Asseln und anderen Wirbellosen. Dazu kommen gelegentlich Schnecken, kleine Wirbellose sowie in geringem Umfang Beeren und pflanzliche Reste. Diese Zusammensetzung prägt den gesamten Verdauungsapparat: Igel besitzen einen vergleichsweise kurzen Darm, der auf leicht verdauliche, eiweißreiche Kost ausgelegt ist. Stärkehaltige Kohlenhydrate oder Laktose kann er kaum verarbeiten.

Daraus ergibt sich eine klare Leitlinie für die Zufütterung: Je enger das angebotene Futter an dieser natürlichen Zusammensetzung orientiert ist, desto besser verträgt es der Igel. Getrocknete Mehlwürmer – allen voran Mehlwürmer (Tenebrio molitor) und Larven der Schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens, BSF) – kommen diesem Ideal sehr nahe.

Hinweis zur Tiergesundheit

Wenn ein Igel tagsüber im Freien umherläuft, taumelt oder stark abgemagert wirkt, ist das ein Alarmsignal. Konsultieren Sie in solchen Fällen bitte einen Tierarzt oder wenden Sie sich an eine Wildtierstation wie das Haus der Igel – einer der erfahrensten Anlaufstellen für verletzte und geschwächte Igel im deutschsprachigen Raum.

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Die wichtigsten Nährstoffe im Igelfutter

Gutes Igelfutter lässt sich nicht auf eine einzelne Zutat reduzieren. Entscheidend ist das Zusammenspiel mehrerer Nährstoffgruppen:

Protein: Als Fleischfresser braucht der Igel hochwertiges Eiweiß. Ein Rohproteinanteil von mindestens 18–22 % in der Trockensubstanz gilt als empfehlenswert. Getrocknete Mehlwürmer bringen je nach Charge rund 48–55 % Rohprotein in der Trockensubstanz – ein außergewöhnlich hoher Wert.

Fett: Fett ist besonders vor dem Winterschlaf wichtig, denn der Igel legt in dieser Phase gezielt Fettreserven an. Allerdings sollte der Fettanteil im Futter nicht dauerhaft zu hoch sein, da es sonst zu Lebererkrankungen kommen kann. BSF-Larven (Hermetia illucens) haben einen moderaten Fettanteil und ein günstiges Fettsäureprofil.

Kalzium und Phosphor: Dieses Verhältnis ist besonders im Kontext von Mehlwürmerfutter relevant. Mehlwürmer sind phosphorreich, aber kalziumarm – das Ca:P-Verhältnis liegt bei etwa 1:14. BSF-Larven hingegen sind durch ihre Chitinhülle und Ernährungsweise deutlich kalziumreicher und helfen, die Gesamtbilanz auszubalancieren. Aus diesem Grund empfiehlt sich eine Kombination beider Mehlwürmerarten.

Taurin: Diese Aminosäure ist für Igel essenziell und muss über tierische Kost aufgenommen werden. Mageres Katzennassfutter (ohne Getreide und Zwiebeln) enthält Taurin und eignet sich daher gut als Ergänzung zu getrockneten Mehlwürmer.

Wasser: Oft vergessen, aber unverzichtbar: Stellen Sie immer frisches Wasser in einer flachen, standsicheren Schale bereit. Kein Milch-Ersatz, kein Saft – nur klares Wasser.

„Wer den Igel wirklich schützen will, denkt nicht in Zutaten, sondern in Nährstoffprofilen – und orientiert sich an dem, was die Natur vorgibt.”

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Geeignetes Igelfutter – und was Sie besser meiden

Die folgende Gegenüberstellung zeigt auf einen Blick, welche Futterarten unbedenklich oder sogar empfehlenswert sind – und welche Sie dem Igel nicht anbieten sollten.

Empfehlenswert
  • +Getrocknete Mehlwürmer (Tenebrio molitor)
  • +Getrocknete BSF-Larven (Hermetia illucens)
  • +Mageres Katzennassfutter ohne Getreide
  • +Frisches, sauberes Wasser
  • +Gelegentlich: hartgekochtes Ei in kleinen Mengen
Tabu – bitte vermeiden
  • Milch und Milchprodukte (Laktoseintoleranz)
  • Brot, Brötchen, Zwieback (unverdauliche Stärke)
  • Salz, Gewürze, Zwiebeln, Knoblauch
  • Süßes, Schokolade, Rosinen
  • Speisereste mit Soßen oder Marinaden
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Warum getrocknete Mehlwürmer besonders geeignet sind

Getrocknete Mehlwürmer und BSF-Larven sind nicht nur aus ernährungsphysiologischer Sicht eine ausgezeichnete Wahl für die Igelfütterung – sie punkten auch in puncto Hygiene, Lagerfähigkeit und Nachhaltigkeit.

Im Gegensatz zu frischen Mehlwürmer sind getrocknete Produkte keimärmer, nahezu geruchsneutral und lassen sich sauber dosieren. Schimmelpilze oder Bakterien, die bei Nassfutter oder aufgeweichtem Brot schnell entstehen, stellen bei schonend getrockneten Mehlwürmer kein Problem dar – vorausgesetzt, die Qualität stimmt. Wormm setzt bei der Trocknung auf schonende Verfahren, die den Nährstofferhalt sicherstellen.

Die Forschungsarbeiten des IGF-Projekts InsectDry sowie Studien aus dem Umfeld der TU München und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg befassen sich intensiv mit der Verarbeitungs- und Nährstoffqualität von Trockeninsekten – Erkenntnisse, die auch die Praxis der Wildtier-Fütterung bereichern.

Mehlwürmer: Sehr hoher Proteingehalt, gute Verfügbarkeit, leicht verdaulich. Wegen des ungünstigen Ca:P-Verhältnisses sollten sie immer mit anderen Komponenten kombiniert werden.

BSF-Larven: Höherer Kalziumgehalt, balanciertes Aminosäureprofil, nachhaltiger in der Produktion (können auf organischen Reststoffen kultiviert werden). Sie ergänzen Mehlwürmer hervorragend und machen die Gesamtration ausgewogener.


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Fütterung im Jahresverlauf – worauf es ankommt

Nicht zu jeder Jahreszeit ist Zufütterung gleich sinnvoll oder notwendig. Im Sommer findet ein gesunder Igel in einem naturnahen Garten ausreichend natürliche Beute. Die kritischen Phasen sind der Spätsommer und Herbst – also die Wochen, in denen der Igel sein Körpergewicht auf mindestens 500 Gramm aufbauen muss, um den Winterschlaf zu überleben.

Besonders junge Igel des zweiten Wurfs (oft erst ab September geboren) können Probleme haben, rechtzeitig genug Gewicht aufzubauen. Hier kann gezielte Zufütterung mit proteinreicher, energiedichter Kost lebensrettend sein. Auch im Frühjahr, wenn der Igel nach dem Winterschlaf erschöpft und ausgehungert aus dem Nest kommt, lohnt es sich, eine kleine Futterstation anzubieten.

Stellen Sie das Futter stets abends auf, damit ausschließlich nachtaktive Tiere davon profitieren. Entfernen Sie nicht gefressene Reste am nächsten Morgen, um Schimmel und Schadnager zu vermeiden. Eine überdachte, igeltaugliche Futterbox (mit schmalem Eingang, der größere Tiere fernhält) hat sich bewährt.

Praxishinweis: Das Haus der Igel und die Auffangstation für Reptilien und Exoten beraten zu Fragen rund um verletzte oder geschwächte Wildtiere. Wenn ein Igel trotz Fütterungsangebot stark abmagert oder apathisch wirkt, sollten Sie umgehend professionelle Hilfe in Anspruch nehmen und einen Tierarzt oder eine Wildtierstation kontaktieren.
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Nachhaltigkeit bei der Igelfütterung

Wer Igel unterstützt, denkt häufig auch über den ökologischen Fußabdruck des Futters nach – und das zu Recht. Getrocknete Mehlwürmer gehören zu den nachhaltigsten tierischen Proteinquellen überhaupt: Sie benötigen im Vergleich zu konventionellem Fleisch deutlich weniger Fläche, Wasser und Energie. Wormm engagiert sich außerdem gemeinsam mit Trees for All für die Aufforstung – denn ein lebendiger Lebensraum ist die nachhaltigste Unterstützung für Wildtiere wie den Igel.

Ein naturnaher Garten mit Totholzhaufen, Laubhaufen, Hecken und einem Teich bietet dem Igel Unterschlupf und natürliche Nahrung. Die Zufütterung mit hochwertigen getrockneten Mehlwürmer ist eine sinnvolle Ergänzung – kein Ersatz für einen lebendigen Garten.

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Häufige Fragen auf einen Blick

Darf man Igeln Katzentrockenfutter geben? Getreidearmes oder getreidefreies Katzentrockenfutter mit hohem Fleischanteil kann in kleinen Mengen als Ergänzung dienen. Es sollte aber nicht die Hauptquelle sein, da der Salzgehalt vieler Produkte für Igel problematisch sein kann. Im Zweifel sind getrocknete Mehlwürmer die sicherere Wahl.

Wie viel Futter pro Nacht? Eine Handvoll – etwa 20–30 Gramm – getrocknete Mehlwürmer plus etwas Nassfutter ist ein guter Richtwert für einen ausgewachsenen Igel. Bieten Sie nicht zu viel an: Übermäßig abundantes Angebot lockt Ratten an.

Können Igel Sonnenblumenkerne fressen? Vereinzelt sind Sonnenblumenkerne kein Problem, sollten aber nicht regelmäßig verfüttert werden, da sie einen hohen Fettgehalt haben und im Verhältnis wenig Protein liefern. Sie sind kein Ersatz für proteinreiche Mehlwürmer.

Was tun mit einem untergewichtigen Igel im Herbst? Kontaktieren Sie bitte eine Wildtierstation oder Ihren Tierarzt. Das Haus der Igel bietet umfangreiche Informationen und Erstberatung für solche Fälle.

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