Igel isst wurmer

Mehlwürmer richtig füttern: Häufigkeit, Futterhaus & Spender

7 minuten Allgemeine Informationen
Ratgeber · Fütterungspraxis

Mehlwürmer richtig füttern: Häufigkeit, Futterhaus & Spender

Getrocknete Mehlwürmer sind ein hochwertiges Nahrungsergänzungsfutter für Wildvögel und Igel. Doch erst die richtige Dosierung, das passende Futterhaus und ein hygienischer Spender entscheiden darüber, ob das Futter wirklich nützt.

2 × tägl.
empfohlene Fütterungsfrequenz
20–30 g
Richtwert pro Fütterung
2–3 Tage
Reinigungsintervall Futterhaus
01 Warum getrocknete Mehlwürmer so wertvoll sind

Getrocknete Mehlwürmer – die Larven des Mehlkäfers (Tenebrio molitor) – gehören zu den nährstoffdichtesten Zufütterprodukten, die man Wildvögeln und Igeln anbieten kann. Der Trocknungsprozess konzentriert die enthaltenen Proteine und Fette, macht das Produkt haltbar und reduziert Keimbelastungen deutlich gegenüber lebenden Tieren. Der Rohproteingehalt liegt je nach Charge zwischen 50 und 55 Prozent der Trockenmasse – ein Wert, der kaum ein klassisches Getreide-basiertes Wildvogelfutter erreicht.

Für Singvögel wie Rotkehlchen, Meisen oder Amseln sind Mehlwürmerproteine während der Brut- und Aufzuchtzeit nahezu unverzichtbar. Auch in der Winterfütterung helfen hochwertige Proteine und Fette den Tieren, ihren erhöhten Energiebedarf bei Kälte zu decken. Beim Igel wiederum sind Mehlwürmer als Ergänzungsfutter vor und nach dem Winterschlaf besonders sinnvoll – vorausgesetzt, die Mengen stimmen.

Hinweis zur Tiergesundheit

Mehlwürmer sind ein Ergänzungsfutter, kein Alleinfutter. Bei Anzeichen von Mangelerscheinungen oder Verhaltensveränderungen beim Tier empfiehlt sich die Konsultation einer Tierarztpraxis.

~53 % Rohprotein (Trockenmasse)
~28 % Rohfett (Trockenmasse)
12 Mon. Mindesthaltbarkeit (trocken, dunkel)
3–5 °C Optimaltemp. für Langzeitlagerung
02 Fütterungsfrequenz: Wie oft ist sinnvoll?

Die häufigste Frage lautet: Wie oft am Tag sollte man Mehlwürmer anbieten? Die Antwort hängt von der Jahreszeit, dem Tierbesatz in Ihrem Garten und der Art des Futterspenders ab. Als praxisbewährte Faustregel gilt zweimal täglich – morgens kurz nach Sonnenaufgang und nachmittags, spätestens zwei Stunden vor Einbruch der Dunkelheit.

Diese Rhythmisierung hat einen guten Grund: Wildvögel fressen hauptsächlich in den ersten und letzten Lichtstunden des Tages. Wenn das Futter genau dann frisch nachgefüllt ist, wird weniger davon liegengelassen, was wiederum Schimmelbildung und Schädlingsbefall reduziert. Gleichzeitig gewöhnen sich die Tiere an feste Fütterungszeiten und nehmen den Futterplatz schneller und zuverlässiger an.

Im Hochsommer genügt oft eine Fütterung am Morgen, da das Nahrungsangebot in der Natur ohnehin reichhaltig ist. Anders verhält es sich in der Brutzeit (April bis Juli): Elterntiere mit Jungen haben einen erhöhten Proteinbedarf, der eine zweimalige tägliche Gabe rechtfertigt.

„Die Regelmäßigkeit der Fütterung ist fast wichtiger als die Menge – Wildtiere lernen schnell, sich auf verlässliche Futterquellen einzustellen.”

Wormm-Redaktion · Praxisbeobachtung
03 Die richtige Dosierung: Wie viel ist genug?

Zu viele Mehlwürmer können paradoxerweise schaden: Bei Jungvögeln in der Nest- und Ausflugsphase ist ein zu hoher Mehlwurmanteil in der Nahrung mit einem Calciummangel verbunden worden, der zu Weichknochen führen kann – bekannt als sogenannte Starenkrankheit, die aber auch andere Singvogelarten betreffen kann. Für adulte Wildvögel gilt: Mehlwürmer sollten nicht mehr als ein Drittel der täglichen Futtergesamtmenge ausmachen.

Als Orientierungsmenge empfiehlt die Wormm-Redaktion 20 bis 30 Gramm getrocknete Mehlwürmer pro Fütterung für einen durchschnittlich frequentierten Gartenfutterplatz mit fünf bis zehn regelmäßigen Vogelarten. An stark besuchten Standorten oder während der Brutzeit kann die Menge moderat erhöht werden – beobachten Sie jedoch, wie viel tatsächlich gefressen wird, bevor Sie die Portion dauerhaft steigern.

04 Das Futterhaus: Worauf es bei der Auswahl ankommt

Nicht jedes Futterhaus eignet sich gleich gut für getrocknete Mehlwürmer. Entscheidend sind drei Kriterien: Witterungsschutz, Zugänglichkeit für Reinigungsarbeiten und eine Gestaltung, die Tauben und Ratten den einfachen Zugriff erschwert.

Geeignetes Futterhaus
  • Überdachtes Dach mit Überstand (mind. 5 cm)
  • Abnehmbare oder herausziehbare Futterschale
  • Glatte, abwaschbare Innenflächen
  • Enger Eingang oder Stäbe (schreckt Tauben ab)
  • Standfester Mast oder wandfeste Halterung
  • Mindestabstand 1,5 m zum nächsten Strauch
Weniger geeignet
  • Offene Bodenfütterung ohne Schutz
  • Tiefe Holzwannen ohne Abfluss (Staunässe)
  • Holz mit rauer Oberfläche (Keime nisten sich ein)
  • Weite, flache Schalen (Tauben übernehmen sie)
  • Standort direkt am Boden (erhöhte Rattengefahr)
  • Fehlende Überdachung (Mehlwürmer werden feucht)

Für Igel gelten abweichende Regeln: Hier sollte das Futter bodeneben angeboten werden, am besten in einer kleinen, schweren Keramikschale oder in einem speziellen Igel-Futterhaus mit ausreichend engem Eingang, das Katzen und Füchse fernhält. Das Haus der Igel – eine auf Igelhilfe spezialisierte Organisation – empfiehlt übrigens, Mehlwürmer für Igel maximal zweimal pro Woche in kleinen Mengen anzubieten, da ein Übermaß die Tiere von einer ausgewogenen Ernährung abbringen kann.

05 Futterspender: Praktisch, hygienisch, sicher

Ein Futterspender ist mehr als ein bequemes Zubehörteil – er kann maßgeblich zur Futterqualität beitragen. Spender für getrocknete Mehlwürmer funktionieren nach dem Prinzip der kontrollierten Portionsabgabe: Eine begrenzte Öffnung gibt nur so viel frei, wie die Tiere direkt auffassen können, ohne dass große Mengen Wind und Regen ausgesetzt sind.

Beim Kauf oder der Eigenanfertigung eines Spenders sollten Sie folgende Punkte beachten:

  • Material: Rostfreier Stahl, Hartglas oder lebensmittelechtes Kunststoff sind hygienisch optimal. Verzinktes Metall kann bei Witterungseinflüssen Ablagerungen bilden.
  • Öffnungsweite: 12–15 mm erlauben Meisen und Rotkehlchen den Zugriff, schränken aber größere Arten ein.
  • Reinigbarkeit: Spender sollten sich ohne Werkzeug demontieren lassen. Alle Innenteile müssen spülmaschinengeeignet sein oder sich mit einer weichen Bürste und heißem Wasser reinigen lassen.
  • Befüllvolumen: 200–300 ml Inhalt reichen für 2–3 Fütterungen, sodass der Spender nicht täglich komplett entleert werden muss.
Hygienehinweis

Reinigen Sie Futterspender und Futterhaus alle zwei bis drei Tage mit heißem Wasser und einer milden Bürste. Auf Desinfektionsmittel sollte generell verzichtet werden, da Rückstände die Tiere schädigen können. Nach der Reinigung gut trocknen lassen, bevor Sie neu befüllen.

06 Lagerung: Qualität bis zum letzten Gramm erhalten

Getrocknete Mehlwürmer sind relativ robust in der Lagerung – sofern einige Grundregeln eingehalten werden. Die wichtigsten Feinde sind Feuchtigkeit, Wärme und Licht. Bei korrekter Lagerung in einem kühlen, dunklen und trockenen Umfeld (idealerweise 3–5 °C) hält die Qualität bis zu zwölf Monate.

Wer größere Mengen – etwa 5 bis 20 kg, wie sie Wormm im Vorteilsformat anbietet – auf Vorrat kauft, sollte das Gebinde nach der ersten Öffnung in luftdichte Behälter aus Glas oder Hartplastik umfüllen. Wiederverschließbare Beutel eignen sich für die tägliche Entnahme, längerfristig empfiehlt sich jedoch ein separater Vorratsbehälter im Keller oder in der Speisekammer.

Forschungsarbeiten im Rahmen des IGF-Projekts InsectDry sowie begleitende Untersuchungen an der TU München und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg beschäftigen sich unter anderem mit optimierten Trocknungsverfahren für Mehlwürmerfutter, die die Haltbarkeit bei gleichbleibend hoher Nährstoffdichte weiter verbessern sollen – eine erfreuliche Entwicklung für alle, die auf nachhaltige Tierfütterung setzen.

07 Mehlwürmer vs. BSF-Larven: Was passt wann?

Neben klassischen Mehlwürmern bietet Wormm auch getrocknete Larven der Schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens, kurz BSF) an. Beide Produkte haben unterschiedliche Nährstoffprofile und eignen sich je nach Zweck unterschiedlich gut.

Getrocknete Mehlwürmer
  • Hohes Rohprotein (~53 %)
  • Höherer Fettanteil (~28 %)
  • Ideal für Winterfütterung (Energiedichte)
  • Beliebt bei Rotkehlchen, Meisen, Amseln
  • Gut dosierbar dank einheitlicher Größe
Getrocknete BSF-Larven
  • Höherer Calciumgehalt (besser Ca:P-Ratio)
  • Etwas geringerer Fettanteil
  • Besonders geeignet für Brutzeit
  • Hervorragend für Igel und Reptilien
  • Nachhaltiger Produktionsfußabdruck

Für eine ausgewogene Ganzjahresfütterung empfiehlt die Wormm-Redaktion, beide Produkte wechselweise oder in Kombination anzubieten. Die Auffangstation für Reptilien und Exoten sowie das EigenArt Katzenhaus nutzen BSF-Larven und Mehlwürmer ergänzend, um ihren Pflegetieren ein möglichst naturnahes Nährstoffspektrum zu bieten.


Alle Mengenangaben in diesem Artikel sind Richtwerte für typische Gartensituationen. Bei der Fütterung von Pflegetieren oder kranken Wildtieren wenden Sie sich bitte an eine auf Wildtierhilfe spezialisierte Einrichtung oder eine Tierarztpraxis.

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