Igel mit Katzenfutter füttern: Trocken oder nass?
In vielen Gärten steht abends ein Schälchen bereit – gut gemeint, aber nicht immer gut gedacht. Was Igel wirklich brauchen, wo Katzenfutter sinnvoll ist und warum getrocknete Mehlwürmer oft die bessere Wahl sind.
Wer abends das leise Schmatzen und Schnaufen eines Igels im Garten hört, möchte sofort helfen. Katzenfutter steht dabei als Zufütterung seit Jahren in Empfehlungen vieler Tierfreunde – doch die Frage, ob Trocken- oder Nassfutter besser geeignet ist, bleibt oft unbeantwortet. Dabei macht genau diese Unterscheidung einen erheblichen Unterschied für Gesundheit und Wohlbefinden des stacheligen Gasts.
Dieser Ratgeber der Wormm-Redaktion erklärt, welche Lebensmittel Igel vertragen, wo Katzenfutter an seine Grenzen stößt und welche Alternativen – allen voran getrocknete Mehlwürmer – artgerechter und sicherer sind.
Was Igel fressen – und was sie brauchen
Igel sind Mehlwürmerfresser mit einem breiten Beutespektrum: Käfer, Raupen, Regenwürmer, Schnecken und andere Wirbellose stehen auf dem natürlichen Speiseplan. Ihre Verdauung ist auf tierisches Eiweiß mit einem mittleren bis hohen Fettanteil ausgerichtet. Kohlenhydrate spielen in der Wildnahrung praktisch keine Rolle – das ist ein entscheidender Hinweis für die Wahl des Zufutters.
Besonders in Herbstnächten, wenn Igel Fettreserven für den Winterschlaf anlegen müssen, ist ein kalorienreiches, proteinbasiertes Zufutter sinnvoll. Auch kranke oder verwaiste Tiere sind auf geeignete Ersatznahrung angewiesen. Das Igelnetzwerk „Haus der Igel” weist ausdrücklich darauf hin, dass falsche Zufütterung einen gut gemeinten Schritt in eine ernste Belastung verwandeln kann.
Katzenfutter: Was ist erlaubt, was ist tabu?
Katzenfutter hat sich als Notbehelf etabliert, weil es in jedem Supermarkt erhältlich und für Fleischfresser formuliert ist. Grundsätzlich gilt: Getreidearmes Nassfutter auf Wildvögel- oder Rinderbasis (ohne Soße, ohne Zwiebeln, ohne Knoblauch) ist für Igel als kurzfristige Zufütterung tolerierbar. Fischbasiertes Futter hingegen verursacht bei Igeln häufig Verdauungsbeschwerden und sollte grundsätzlich gemieden werden.
Trockenfutter ist deutlich problematischer: Es entzieht dem Organismus Wasser, denn Igel trinken in der Natur vergleichsweise wenig und decken ihren Flüssigkeitsbedarf überwiegend über die Nahrung. Trockenpellets können außerdem in der Schnauze quellen und zu Zahnfleischproblemen führen. Wer dennoch Trockenfutter anbietet, sollte stets frisches Wasser danebenstellen – niemals Milch, da Igel laktoseintolerant sind.
Wirkt ein Igel tagsüber aktiv, taumelt er oder hat er sichtbare Verletzungen, konsultieren Sie bitte umgehend eine tierärztliche Praxis oder kontaktieren Sie eine Auffangstation für Wildtiere. Zufütterung ersetzt keine veterinärmedizinische Versorgung.
- Hoher Feuchtigkeitsgehalt (ca. 75–80 %)
- Deckt Flüssigkeitsbedarf mit ab
- Leichter verdaulich, weniger Blähungsgefahr
- Fleischbasierte Sorten annähernd artgerecht
- Kein Quellen im Maul
- Nur ca. 10 % Feuchtigkeit
- Entzieht dem Körper zusätzlich Flüssigkeit
- Oft hoher Getreideanteil (für Igel ungeeignet)
- Quillt auf – Zahnfleisch- und Kieferbelastung
- Nur mit ausreichend Trinkwasser daneben vertretbar
Die artgerechtere Alternative: Getrocknete Mehlwürmer
Was der Igel in der Natur sucht, lässt sich mit getrocknetem Mehlwürmerfutter deutlich besser nachbilden als mit jedem Katzenfutter. Getrocknete Mehlwürmer (Tenebrio molitor) und Larven der Schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens, kurz BSF) sind reich an Proteinen und hochwertigen Fettsäuren – genau das, was ein Igel auf seiner nächtlichen Futtersuche benötigt.
Getrocknete BSF-Larven punkten dabei besonders mit einem günstigen Kalzium-Phosphor-Verhältnis, das dem natürlichen Nahrungsprofil von Wirbellosen nahekommt. Das IGF-Projekt InsectDry sowie Forschungsarbeiten der TU München und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg untersuchen aktuell, wie Mehlwürmertrocknung die Nährstoffdichte und Haltbarkeit maximiert – die Ergebnisse unterstreichen das Potenzial von Trockeninsekten als Wildtierfutter.
„Getrocknete Mehlwürmer kommen dem natürlichen Nahrungsspektrum des Igels so nahe wie kaum ein anderes Zufutter – ohne die Risiken von zu viel Getreide, Fisch oder Milchprodukten.”
Wichtig: Auch getrocknete Mehlwürmer sollten nicht die einzige Nahrungsquelle sein und müssen immer zusammen mit frischem Wasser angeboten werden. Die Portion bleibt moderat – eine flache Handvoll pro Nacht reicht als Ergänzung zum natürlichen Futterangebot im Garten.
Richtig füttern: Praktische Hinweise für den Garten
Der richtige Ort für das Futterhaus ist ebenso wichtig wie der richtige Inhalt. Stellen Sie das Schälchen in eine ruhige, geschützte Ecke – idealerweise unter einem Strauch oder in einer speziellen Igelhütte. So wird verhindert, dass Ratten oder andere Tiere das Futter vor dem Igel fressen. Futterreste sollten täglich entfernt werden, da verdorbenes Futter Keime anzieht.
Wer Igeln langfristig helfen möchte, investiert außerdem in eine igelfreundliche Gartengestaltung: Laubhaufen, Totholzecken und der Verzicht auf Pestizide fördern das natürliche Mehlwürmervorkommen und damit die Wildbasis der Tiere. Der Verein „Haus der Igel” berät umfassend zur ganzjährigen Igelunterstützung. Bei verletzten oder kranken Tieren hilft auch die Auffangstation für Reptilien und Exoten weiter oder vermittelt Kontakte zu spezialisierten Wildtierpflegern.
Was Sie dem Igel auf keinen Fall geben sollten
Einige gut gemeinte Futterangebote sind tatsächlich schädlich und sollten konsequent vermieden werden:
- Milch und Milchprodukte – führen zu Durchfall und Dehydrierung
- Brot und Backwaren – kein Nährwert, begünstigen Verdauungsprobleme
- Trauben und Rosinen – nephrotoxisch (nierenschädigend)
- Zwiebeln und Knoblauch – auch in geringen Mengen giftig
- Fischbasiertes Futter – verursacht häufig Verdauungsstörungen
- Gesüßte Lebensmittel – schädigen Zähne und Stoffwechsel
- Haferflocken trocken – quellen im Magen auf, Verstopfungsgefahr
Bei Unsicherheiten über den Gesundheitszustand eines Igels oder wenn das Tier wiederholt tagsüber aktiv ist, wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt oder eine spezialisierte Wildtierstation.
Fazit: Nassfutter ja – aber Mehlwürmer sind besser
Katzenfutter kann als Übergangslösung dienen, wenn kein geeigneteres Zufutter zur Hand ist. In diesem Fall ist getreide- und fischfreies Nassfutter dem Trockenfutter klar vorzuziehen – wegen des Feuchtigkeitsgehalts, der leichteren Verdaulichkeit und des geringeren Risikos für Zahnfleisch und Maul.
Wer jedoch langfristig und artgerecht füttern möchte, greift besser zu getrockneten Mehlwürmern oder BSF-Larven. Sie liefern das hochwertige tierische Eiweiß und die Fettsäuren, die ein Igel wirklich benötigt, und kommen dem natürlichen Nahrungsprofil erheblich näher als jedes industrielle Haustierfutter. Gerade in den Wochen vor dem Winterschlaf ist diese kalorienreiche, proteinstarke Ergänzung für untergewichtige Tiere besonders wertvoll.
Unser Tipp: Kombinieren Sie eine kleine Portion getrockneter Mehlwürmer mit einer Schale frischem Wasser. Kein Aufwand, großer Nutzen – für den Igel und für ein gesundes Gartenökosystem.
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