Taube

Was fressen Tauben? Von Ringeltaube bis Stadttaube

8 minuten Allgemein
Wildvögel · Ratgeber

Was fressen Tauben? Von Ringeltaube bis Stadttaube

Tauben sind deutlich vielseitigere Fresser, als viele annehmen. Was verschiedene Taubenarten wirklich brauchen – und wie Sie artgerecht helfen können.

6 in Deutschland heimische Taubenarten
~500 g täglicher Nahrungsbedarf Ringeltaube
15 % Proteinanteil ideal in der Brutzeit

Tauben gehören zu den am häufigsten beobachteten Vögeln in Deutschland – ob auf dem Dorfplatz, im Stadtpark oder am Waldrand. Trotzdem wird ihre Ernährung oft auf „Brot und Körner” reduziert, was dem tatsächlichen Bedarf dieser Tiere kaum gerecht wird. Die verschiedenen Taubenarten in Mitteleuropa haben unterschiedliche Vorlieben, saisonale Bedarfe und ernährungsphysiologische Anforderungen, die es lohnt, genauer zu betrachten.

Dieser Ratgeber der Wormm-Redaktion gibt Ihnen einen fundierten Überblick über die natürliche Ernährung von Ringeltaube, Hohltaube, Türkentaube, Turteltaube und Stadttaube – und erklärt, wie Sie Wildtauben in Ihrem Garten sinnvoll und nachhaltig unterstützen können.

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Die häufigsten Taubenarten und ihre Lebensräume

In Deutschland kommen in freier Wildbahn vor allem sechs Taubenarten regelmäßig vor: die Ringeltaube (Columba palumbus) als größte und häufigste Art, die Hohltaube (Columba oenas), die Türkentaube (Streptopelia decaocto), die streng geschützte Turteltaube (Streptopelia turtur), die Felsentaube in verwilderten domestizierten Populationen sowie die Stadttaube als direkter Nachkomme der Felsentaube.

Jede dieser Arten besiedelt leicht unterschiedliche Lebensräume: Die Ringeltaube ist gleichermaßen in Wäldern, Feldgehölzen und Stadtparks anzutreffen. Die Hohltaube bevorzugt alte Laubwälder mit natürlichen Baumhöhlen. Die Türkentaube hat sich erfolgreich als Kulturfolger in Siedlungsnähe etabliert. Die Turteltaube ist ein Zugvogel und auf strukturreiche Agrarlandschaften angewiesen. Stadttauben schließlich haben sich nahezu vollständig an den urbanen Raum angepasst und zeigen das breiteste Nahrungsspektrum aller Arten.

70 % pflanzliche Kost im Jahresdurchschnitt
30+ Pflanzenarten auf dem Speiseplan der Ringeltaube
höherer Proteinbedarf während der Mauser
März–Sep Hauptbrutzeit – kritische Ernährungsphase
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Die natürliche Ernährung der Ringeltaube

Die Ringeltaube ist ein opportunistischer Pflanzenfresser mit einer bemerkenswert breiten Nahrungsbasis. Im Frühjahr dominieren frische Pflanzentriebe, Knospen junger Buchen, Eichen und Hainbuchen sowie die ersten Kräutersamen. Sobald die Getreideernte naht, wechselt sie auf Acker- und Brachflächen und nimmt dort Weizen, Gerste, Raps und Mais in großen Mengen auf.

Im Herbst stehen Bucheckern, Eicheln, Beeren von Holunder, Vogelbeere und Hartriegel sowie Wildfrüchte auf dem Speiseplan. Diese energiereiche Kost ist entscheidend, damit die Tiere ausreichend Fettreserven für den Winter aufbauen können. Im Winter weicht die Ringeltaube auf immergrüne Pflanzen aus – Efeu-Beeren, Mistelfrüchte und Wintergetreidefelder sind dann bevorzugte Futterquellen.

Obwohl die Ringeltaube primär Vegetarierin ist, nehmen adulte Tiere gelegentlich auch Regenwürmer, kleine Schnecken oder Mehlwürmerlarven auf – besonders in der Brutzeit, wenn der Proteinbedarf steigt.

„Die Nahrung einer Taube spiegelt die Jahreszeit wider. Wer sie das ganze Jahr beobachten möchte, muss verstehen, was die Natur ihr saisonal bietet – und was fehlt.”

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Türkentaube, Turteltaube & Hohltaube: Was unterscheidet sie?

Die Türkentaube ist vergleichsweise spezialisiert: Sie bevorzugt kleine Sämereien und Getreidekörner und ist häufig an Vogelfutterstellen anzutreffen. Ihr Schnabel ist feiner als jener der Ringeltaube, weshalb sie harte Bucheckern oder Eicheln kaum verarbeiten kann. Sonnenblumenkerne, Hirse und Weizen sind ideale Futterquellen für diese Art.

Die Turteltaube, die in Deutschland vom Aussterben bedroht ist, lebt von kleinen Wildkräutersamen – insbesondere Vogelmiere, Labkraut und anderen Ackerunkräutern. Diese enge Spezialisierung macht sie besonders anfällig für intensiven Ackerbau. Helfen kann hier vor allem die Förderung vielfältiger Wildkrautflächen, nicht die klassische Futterstelle.

Die Hohltaube verhält sich nahrungsökologisch ähnlich wie die Ringeltaube, bevorzugt jedoch Bucheckern und Eicheln noch stärker. Sie ist scheuer und seltener an Gartenfutterstellen zu beobachten.

Ringeltaube
  • Getreide, Raps, Mais, Bucheckern
  • Beeren (Holunder, Vogelbeere, Efeu)
  • Knospen, Triebe, Grünteile
  • Gelegentlich Regenwürmer & Mehlwürmerlarven
  • Eicheln, Wildfrüchte im Herbst
Stadttaube
  • Brot, Backwaren, Küchenabfälle
  • Getreidekörner & Sämereien
  • Kleinere Mehlwürmer & Würmer
  • Nahezu alle organischen Speisereste
  • Mineralien aus Mörtelfugen & Kies
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Die Stadttaube: Nahrungsgeneralist unter Druck

Stadttauben haben sich über Jahrhunderte an das städtische Leben angepasst. Ihr Nahrungsspektrum ist das breiteste aller Taubenarten: Sie nehmen Speisereste, Brot, Körner, Mehlwürmer und nahezu alles an, was essbar erscheint. Diese Anpassungsfähigkeit hat ihnen geholfen, in der Stadt zu überleben – geht jedoch mit erheblichen ernährungsbedingten Gesundheitsproblemen einher.

Brot, der häufigste Futterspender, enthält zwar Kohlenhydrate, aber kaum verwertbares Protein, keine essenziellen Fettsäuren und mangelhafte Mineralstoffprofile. Tauben, die hauptsächlich von Brot leben, zeigen häufig Gefiederschäden, geschwächte Immunsysteme und Knochenmineralisierungsstörungen. Tierärzte empfehlen bei auffälligen Stadttauben, stets einen Fachmann hinzuzuziehen – Erkrankungen wie Paramyxovirus oder Trichomonas erfordern tierärztliche Abklärung.

Wer Stadttauben gezielt unterstützen möchte, tut ihnen mit kleinen Getreidekörnern (Gerste, Weizen, Hirse), Sonnenblumenkernen und hochwertigem Wildvogelfutter deutlich mehr Gutes als mit Brotresten.

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Proteinbedarf: Warum Mehlwürmer eine Rolle spielen

Tauben gelten als klassische Körnerfresser – dennoch ist ihr Proteinbedarf beträchtlich, vor allem in der Brutzeit und während der Mauser. Studien aus dem Umfeld des IGF-Projekts InsectDry sowie Forschungsarbeiten der TU München zur Mehlwürmerverwertung in der Tierernährung zeigen, dass Mehlwürmerlarven ein hochwertiges Aminosäureprofil aufweisen, das die pflanzliche Kost sinnvoll ergänzt.

In der Natur decken Wildtauben diesen Bedarf durch gelegentlichen Verzehr von Regenwürmern, kleinen Mehlwürmer und Larven. Im Garten fehlt diese Nahrungsquelle oft – besonders auf gepflasterten Flächen oder in versiegelten Stadtbereichen. Getrocknete Mehlwürmerlarven (etwa von der Schwarzen Soldatenfliege, Hermetia illucens) können als Ergänzung zum klassischen Körnerfutter angeboten werden und liefern zugleich wertvolle Fettsäuren und Mineralien.

Wichtig: Getrocknete Mehlwürmer sollten in moderaten Mengen und nicht als alleinige Futterquelle eingesetzt werden. Sie ergänzen ein ausgewogenes Wildvogelfutter-Angebot – sie ersetzen es nicht.

Hinweis zur Tiergesundheit

Wenn Sie verletzte, apathische oder stark abgemagerte Tauben finden, wenden Sie sich bitte an eine Wildvogel-Auffangstation oder konsultieren Sie einen auf Vögel spezialisierten Tierarzt. Eine Liste qualifizierter Stellen führt etwa das Haus der Igel-Netzwerk; auch die Auffangstation für Reptilien und Exoten kann bei Bedarf weiterverweisen.

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Richtig füttern: Dos & Don’ts für Tauben im Garten

Die Fütterung von Wildtauben ist rechtlich unproblematisch, sofern keine Belästigung der Nachbarn oder Vermüllung des öffentlichen Raums entsteht. Im privaten Garten können Sie Tauben artgerecht versorgen, wenn Sie einige grundlegende Punkte beachten.

Geeignetes Futter: Weizen, Gerste, Hirse, ungesalzene Sonnenblumenkerne, Raps sowie handelsübliches Wildvogelfutter auf Körnerbasis. Ergänzend können kleinere Mengen getrockneter Mehlwürmerlarven angeboten werden. Wichtig ist stets frisches Wasser – Tauben trinken viel und in einem Zug, ohne den Kopf zum Schlucken anzuheben, was sie von anderen Vogelarten unterscheidet.

Nicht geeignet: Brot, Salz, Gewürze, gekochte Speisereste, Zwiebeln, Avocado und Milchprodukte. Diese Lebensmittel sind für Tauben unverträglich bis giftig.

Hygiene an der Futterstelle: Tauben fressen am Boden oder auf Tischen. Reinigen Sie Futterflächen regelmäßig, um Pilzbefall (Aspergillus) und die Weitergabe von Krankheitserregern zu verhindern. Reste, die länger als zwei Tage liegen, sollten entfernt werden.

Wer darüber hinaus aktiv zum Vogelschutz beitragen möchte, findet bei Initiativen wie Trees for All Möglichkeiten, Gehölzpflanzungen zu unterstützen, die langfristig natürliche Nahrungsquellen für Wildtauben und andere Vögel schaffen.

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Saisonale Fütterung: Wann brauchen Tauben Unterstützung?

Im Frühling und Frühsommer sind Tauben in der Brutzeit besonders auf proteinreiche Nahrung angewiesen. Während andere Singvögel ihre Nestlinge mit Mehlwürmer füttern, produzieren Tauben das sogenannte „Kropfmilch” – ein eiweißreicher Sekret aus der Kropfschleimhaut – womit sie ihre Jungtiere in den ersten Lebenstagen versorgen. Diese Bildung ist energieintensiv und erfordert ausreichend Protein im Elterntier-Futter.

Im Hochsommer ist das natürliche Angebot in der Regel ausreichend, sodass eine Zufütterung nicht notwendig ist. Im Herbst helfen Wildfrüchte und Körner beim Aufbau von Energiereserven. Der kritischste Zeitraum für eine aktive Unterstützung ist der Winter von November bis März, wenn Boden gefroren, Nahrung knapp und der Energiebedarf der Tiere erhöht ist.

Forschungsarbeiten der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg zur Verhaltensökologie von Stadtvögeln unterstreichen, dass eine konstante, hygienisch einwandfreie Futterstelle im Winter die Überlebensrate von Stadttauben messbar verbessern kann – sofern das Futter qualitativ hochwertig ist.


Tauben sind faszinierende, anpassungsfähige Tiere, deren Ernährungsbedarf weit über Körner und Brotreste hinausgeht. Wer ihre natürlichen Nahrungsgewohnheiten versteht, kann gezielt helfen – im Garten, auf der Terrasse oder durch die Pflege natürlicher Lebensräume. Qualitativ hochwertiges Futter ist dabei der entscheidende Unterschied zwischen wohlmeinendem Füttern und echter Unterstützung.

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