Igel füttern: Das gehört in die Futterschale
Wer einem Igel im Garten helfen möchte, trägt eine kleine, aber echte Verantwortung. Dieser Ratgeber zeigt, welches Futter artgerecht ist – und was Igeln ernsthaft schadet.
Igel sind nachtaktive Mehlwürmerfresser mit einem präzisen Ernährungsprogramm, das die Evolution über Jahrmillionen optimiert hat. Wer einem Igel im Garten beiläufig eine Schale Milch oder Weißbrot hinstellt, meint es gut – handelt aber dem Tier gegenüber fahrlässig. Gleichzeitig kann gezielte Zufütterung, besonders im Spätsommer und Herbst, buchstäblich lebensrettend sein. Es kommt allein darauf an, das Richtige anzubieten.
Dieser Ratgeber bündelt aktuelles Wissen rund um die artgerechte Igel-Fütterung – von geeigneten Lebensmitteln über Dos-and-Don’ts bis hin zu praktischen Hinweisen zur Futterplatzierung. Er richtet sich an Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer, die Igeln verantwortungsvoll helfen möchten, sowie an alle, die sich erstmals mit dem Thema befassen.
In naturnahen Gärten mit viel Totholz, Laub und blütenreichen Beeten finden Igel in der Regel genügend Nahrung: Käfer, Würmer, Schnecken, Asseln und Tausendfüßler stehen auf ihrem natürlichen Speiseplan. Doch die Realität sieht in vielen Siedlungsgebieten anders aus: Versiegelte Flächen, Pestizideinsatz und aufgeräumte Gärten verringern das Nahrungsangebot erheblich.
Besonders kritisch ist die Phase von August bis Oktober. In dieser Zeit müssen Igel ausreichend Fettreserven anlegen, um den Winterschlaf zu überstehen. Jungtiere aus späten Würfen erreichen das notwendige Mindestgewicht von etwa 700 Gramm oft nicht rechtzeitig. Hier kann die gezielte Bereitstellung von Zusatzfutter den entscheidenden Unterschied machen. Das Haus der Igel, eine auf Igelschutz spezialisierte Initiative, bestätigt diesen Bedarf und empfiehlt das Zufüttern explizit in den Herbstmonaten.
Die artgerechte Igel-Ernährung orientiert sich an dem, was Igel in freier Natur fressen: proteinreiche Kleintiere, wenig Fett, keine Kohlenhydrate. Folgende Lebensmittel sind geeignet:
- Getrocknete Mehlwürmer: Getrocknete Mehlwürmer (Tenebrio molitor) und Larven der Schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens, kurz BSF) sind besonders wertvoll. Sie liefern hochwertiges Protein, essentielle Aminosäuren und – im Fall der BSF-Larven – ein günstiges Calcium-Phosphor-Verhältnis, das für die Knochengesundheit relevant ist. Das IGF-Forschungsprojekt InsectDry untersucht gezielt die ernährungsphysiologischen Eigenschaften getrockneter Mehlwürmer als Tierfutter und kommt zu positiven Bewertungen für die Verwendung in der Wildtierernährung.
- Ungewürztes Katzennassfutter: Hochwertiges Katzenfutter auf Fleischbasis (ohne Zwiebeln, Knoblauch oder Soßen-Zusätze) wird von Igeln gut angenommen und ist leicht verdaulich.
- Mageres, ungewürztes Fleisch: Gekochtes oder rohes Wildvögel- oder Rindfleisch in kleinen Stücken ist geeignet, sollte aber stets frisch angeboten werden.
- Wasser: Frisches, sauberes Wasser ist essenziell und täglich zu erneuern. Eine flache, schwere Schale vermindert das Umkippen.
„Getrocknete Mehlwürmer kommen dem natürlichen Nahrungsspektrum des Igels näher als jedes Fertigprodukt – und lassen sich sauber und hygienisch portionieren.”
Wormm-RedaktionDie Liste der verbreiteten, aber schädlichen Igel-Zutaten ist leider lang. Folgende Lebensmittel sind strikt zu vermeiden:
Diese Lebensmittel sind erlaubt
- Getrocknete Mehlwürmer
- Getrocknete BSF-Larven
- Ungewürztes Katzennassfutter (Fleischbasis)
- Mageres, ungewürztes Fleisch (gekocht oder roh)
- Frisches Wasser (täglich wechseln)
- Hartgekochtes Ei (gelegentlich, kleine Menge)
Diese Lebensmittel schaden dem Igel
- Milch & Milchprodukte (führt zu Durchfall)
- Brot & Getreideprodukte (unverdaulich)
- Früchte & Obst (falsche Zuckerquellen)
- Salz, Gewürze, Zwiebeln, Knoblauch
- Trockenfutter mit hohem Getreidekornanteil
- Süßigkeiten & Schokolade (giftig)
Besonders der Mythos rund um Milch hält sich hartnäckig. Igel sind nach der Säugephase laktoseintolerant. Selbst kleine Mengen Kuhmilch können zu schwerem Durchfall und in der Folge zu gefährlichem Flüssigkeitsverlust führen. Wer einem Igel wirklich helfen möchte, stellt ausschließlich Wasser bereit.
Zeigt ein Igel tagsüber, taumelt er, liegt er apathisch da oder hat er sichtbar aufgeblähten Bauch, ist dies ein Warnsignal. In solchen Fällen sollte umgehend eine Tierarztpraxis oder eine Wildtierstation wie die Auffangstation für Reptilien und Exoten kontaktiert werden. Zufütterung ersetzt keine tierärztliche Versorgung.
Getrocknete Mehlwürmer und BSF-Larven sind unter Igelfreunden noch nicht so weit verbreitet wie unter Wildvogel-Fans – dabei sind sie für Igel mindestens ebenso wertvoll. Sie weisen einen hohen Proteingehalt von 45–55 % auf (Trockenmasse), sind hygiensich verpackt und einfach zu dosieren.
Die Schwarze Soldatenfliegenlarve (Hermetia illucens) sticht durch ein Calcium-Phosphor-Verhältnis hervor, das dem natürlicher Beutetiere – etwa Käfer und Würmer – deutlich näher kommt als das vergleichbarer Mehlwürmer. Forschungsarbeiten an der TU München sowie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg befassen sich mit dem Nährstoffprofil von Mehlwürmerproteinen für die Tierernährung und bescheinigen BSF-Larven ein hohes ernährungsphysiologisches Potenzial.
Für die Praxis empfiehlt sich folgende Vorgehensweise: Eine kleine, flache Schale mit einer Handvoll getrockneter Mehlwürmer (5–15 Gramm) abends nach Sonnenuntergang aufstellen. Igel sind nachtaktiv und beginnen ihre Futtersuche in der Dämmerung. Reste werden morgens entfernt, die Schale täglich gereinigt.
Ein oft unterschätzter Aspekt ist die Hygiene des Futterplatzes. Alte Futterreste ziehen Schädlinge an und können Schimmelpilze bilden, die für Igel gefährlich sind. Die Futterschale sollte täglich gereinigt – am besten mit heißem Wasser ohne aggressive Reinigungsmittel – und an einem windgeschützten, trockenen Ort aufgestellt werden.
Wenn möglich, bietet sich ein kleines Igel-Futterhaus an: ein einfacher Holzrahmen mit einem Einschlupfloch, das groß genug für den Igel, aber zu eng für Ratten (Richtgröße: 10 × 10 cm) ist. Das verhindert, dass andere Tiere das Futter fressen, und schützt die Futterstation vor Regen.
Zur Jahreszeit: Ab Mitte Oktober bis spätestens November schlafen die meisten Igel in Mitteleuropa ein. Die Fütterung wird dann eingestellt. Im Frühling – sobald die Nachttemperaturen dauerhaft über 10 °C liegen – können Igel wieder aktiv sein und eine kleine Unterstützung nach dem langen Winterschlaf durchaus vertragen. Im Sommer ist Zufütterung in gut begrünten Gärten in der Regel nicht notwendig.
Futter allein reicht nicht aus. Wer Igeln dauerhaft helfen möchte, denkt auch über die Gestaltung des Gartens nach. Laubhaufen, Reisig- und Holzstapel sowie naturbelassene Gartenecken bieten dem Igel Unterschlupf und gleichzeitig ein natürliches Futterangebot an Kleintieren.
Auf Pestizide – insbesondere Schneckenkörner mit dem Wirkstoff Metaldehyd – sollte im Igel-Garten vollständig verzichtet werden. Vergiftete Schnecken oder Mehlwürmer können den Igel sekundär vergiften. Das Projekt Trees for All, das sich der Renaturierung von Lebensräumen widmet, betont in diesem Kontext, wie eng Habitatqualität und Wildtierpopulationen zusammenhängen.
Gartenteiche und Schwimmbecken sollten eine Ausstiegsmöglichkeit (z. B. ein Brett) erhalten – Igel sind zwar gute Schwimmer, können aber erschöpfen und ertrinken. Diese einfache Maßnahme rettet jedes Jahr zahlreiche Tiere.
Wer einem Igel wirklich etwas Gutes tun möchte, kombiniert drei Maßnahmen: artgerechtes Futter anbieten, den Garten als Lebensraum verbessern und im Zweifel Fachleute zurate ziehen. Die Kombination aus getrockneten Mehlwürmer, sauberem Wasser und einem sicheren Unterschlupf ist dabei das wirksamste Paket.
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Wormm bietet getrocknete Mehlwürmer und BSF-Larven in verschiedenen Mengen (250 g bis 20 kg) an – schonend getrocknet, ohne Zusatzstoffe und in wiederverwendbaren Verpackungen. Ideal als Zufütterung für Igel im Herbst sowie als Wildvogelfutter das ganze Jahr über.
Zum Igel-Futter Getrocknete Mehlwürmer