Der Igel gehört seit Jahrhunderten zum europäischen Garten – doch sein Lebensraum schrumpft. Versiegelte Böden, aufgeräumte Grünanlagen und der Einsatz von Pestiziden haben dazu geführt, dass Igelpopulationen in vielen Regionen Deutschlands merklich zurückgehen. Wer dem entgegenwirken möchte, muss nicht viel investieren: Oft genügen kleine Anpassungen in der Gartengestaltung, um Igeln dauerhaft Unterschlupf, Nahrung und sichere Wanderwege zu bieten.

Im Folgenden erklärt die Wormm-Redaktion Schritt für Schritt, welche Maßnahmen wirklich helfen – und welche gut gemeinten Aktionen dem Igel eher schaden als nützen.

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Den Garten aus Igel-Perspektive betrachten

Ein igelfreundlicher Garten beginnt mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme. Igel sind Kulturfolger: Sie siedeln in Parklandschaften, Kleingärten und auf Friedhöfen – überall dort, wo Hecken, Stauden und Laubschichten ein abwechslungsreiches Mosaik aus Versteck und Jagdrevier bilden. Der durchschnittliche Vorortgarten bietet auf den ersten Blick zwar Grün, aber oft wenig strukturelle Tiefe.

Entscheidend ist die Verbundenheit: Igel wandern pro Nacht zwei bis drei Kilometer. Ein Grundstück, das ringsum von dichten Mauern oder lückenlosen Holzzäunen eingegrenzt ist, ist für den Igel schlicht nicht erreichbar. Schritt eins ist deshalb immer, Durchwanderwege zu schaffen – eine Lücke von 13 × 13 cm im Zaunsockel oder unter dem Gartentor reicht aus.

Praxis-Tipp: Markieren Sie Eintrittspunkte mit einer kleinen Holzleiste als Schwelle. So lässt sich leicht feststellen, ob der Zugang wirklich genutzt wird – ein frischer Fußabdruck im weichen Boden verrät es.

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Strukturreichtum: Verstecke, Laub und wilde Ecken

Igel brauchen Rückzugsorte – tagsüber zum Schlafen, im Herbst zum Aufbau des Winterquartiers und für die Jungenaufzucht im Sommer. Folgende Strukturelemente sind besonders wertvoll:

  • Laubhaufen und Reisighaufen in ruhigen Gartenecken, möglichst ab September nicht mehr umsetzen, um begonnene Nester nicht zu zerstören.
  • Komposthaufen ohne Metallgitter an der Seite, sodass der Igel jederzeit ein- und aussteigen kann.
  • Hecken aus heimischen Sträuchern wie Weißdorn, Schlehe oder Holunder: dichtes Bodengestrüpp bietet Deckung und gleichzeitig Mehlwürmerhabitat.
  • Wildblumen-Streifen entlang von Beeten oder Zäunen: blühende Bereiche fördern Laufkäfer, Regenwürmer und Schnecken – die natürliche Beute des Igels.

Fertige Igelhäuser aus dem Handel können ergänzend eingesetzt werden, sind aber kein Ersatz für natürliche Strukturen. Wichtig: Das Häuschen sollte aus unbehandeltem Holz bestehen, einen seitlichen Eingang (kein Fronteingang, der Katzen Zugang verschafft) und eine ausreichende Einstreu aus trockenem Laub haben.

~200 Mehlwürmer & Wirbellose pro Nacht
5.000 Stacheln beim ausgewachsenen Igel
Nov.–Apr. Typische Winterschlafphase
3–7 J. Lebenserwartung in freier Natur
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Gefahrenquellen erkennen und beseitigen

Igel sterben im Garten häufig an Gefahren, die sich mit minimalem Aufwand beseitigen lassen. Die Wormm-Redaktion listet die häufigsten auf:

Häufige Gefahren

Was schadet dem Igel?

  • Steilwandige Teiche oder Pools ohne Ausstiegshilfe (Ertrinkungsgefahr)
  • Mähroboter bei Nacht – Igel rollen sich ein und werden schwer verletzt
  • Schneckenkorn und Pestizide: töten die Nahrungsgrundlage und vergiften direkt
  • Kellerabgänge und offene Drainagegräben als Fallgruben
  • Herbst-Laubgebläse und Freischneider über Reisighaufen
  • Milch und Weißbrot als Futter – beides verträgt der Igel schlecht

Einfache Abhilfe

Was hilft sofort?

  • Teichrampe aus rauem Holz oder Steinen einbauen
  • Mähroboter nur tagsüber und nach Sichtprüfung laufen lassen
  • Auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichten, Alternativen nutzen
  • Kellertreppen mit Holzbrett oder Steigung absichern
  • Vor dem Mähen / Häckseln immer Verstecke absuchen
  • Artgerechtes Futter: Mehlwürmerlarven, mageres Katzennassfutter
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Richtig zufüttern – besonders im Herbst

Die Diskussion über Igel-Zufütterung ist vielschichtig. Grundsätzlich gilt: Ein naturnaher Garten mit reichem Mehlwürmerleben braucht keine Futterstelle. Doch in trockenen Sommern, nach Pestizid-Einsatz in der Nachbarschaft oder wenn ein erkennbar untergewichtiger Jungtierigel im Oktober noch sein Herbstgewicht aufbauen muss, ist gezielte Zufütterung sinnvoll und kann Leben retten.

„Getrocknete Mehlwürmerlarven kommen der natürlichen Ernährung des Igels deutlich näher als Brot oder Milch – und sie lassen sich präzise dosieren, ohne Schimmel und ohne Geruch.”

Geeignetes Futter: Besonders bewährt haben sich getrocknete Mehlwürmer (Tenebrio molitor) und die Larven der Schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens). Beide sind reich an Protein und Fett und entsprechen in ihrer Zusammensetzung der natürlichen Beute. Getrocknete BSF-Larven enthalten zudem ein günstiges Calcium-Phosphor-Verhältnis, das für Wildtiere vorteilhaft ist – ein Aspekt, der in laufenden Forschungsarbeiten u. a. an der TU München und im Rahmen des IGF-Projekts InsectDry untersucht wird.

So füttern Sie richtig:

  • Futterstelle abends aufstellen, morgens wieder abräumen (verhindert Schädlingsbefall und Abhängigkeit).
  • Kleine Mengen: ein bis zwei Esslöffel getrocknete Larven pro Tier und Nacht genügen.
  • Immer frisches, flaches Wasser daneben stellen – Igel trinken regelmäßig.
  • Futterstelle so gestalten, dass nur der Igel hineinkommt (z. B. kleines Holzhäuschen mit 13 cm Eingang).
  • Zufütterung ab Mitte Oktober bis zum ersten echten Frost – danach zieht der Igel sich zurück.

Gesundheits-Hinweis: Wenn ein Igel tagsüber sichtbar ist, taumelt oder apathisch wirkt, ist das ein Warnsignal. In solchen Fällen sollten Sie umgehend eine Igelstation kontaktieren – etwa das Haus der Igel – oder einen Tierarzt aufsuchen. Eigenbehandlung kann mehr Schaden anrichten als nützen.

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Winterschlaf vorbereiten – das Winterquartier

Ab Oktober fressen Igel sich intensiv Fettreserven an, um den Winterschlaf zu überstehen. Das Mindestgewicht, das ein Igel bis zum Einschlafen erreicht haben sollte, liegt bei etwa 500 Gramm – besser sind 600 bis 700 Gramm. Unter diesem Wert besteht eine erhöhte Gefahr, dass das Tier den Winter nicht überlebt.

Für den Winterschlaf wählen Igel geschützte, trockene Orte: unter Hecken, in Laubhaufen, unter Gartenhütten oder in Komposthaufen. Sie tragen eigenständig Laub und Moos als Nestmaterial ein. Ihr wichtigster Beitrag:

  • Den gewählten Bereich bis zum Frühjahr in Ruhe lassen – keine Umsiedlung, kein Aufräumen.
  • Das Winterquartier vor Durchnässen schützen: Ein Regenschutz aus Holz über dem Laubhaufen reicht aus.
  • Kein Heizen in der Nähe: Zu hohe Temperaturen können den Winterschlaf unterbrechen und den Igel erschöpfen.

Wer fundierte Unterstützung bei der Igelrehabilitation oder der Winterschlaf-Betreuung sucht, findet im Netzwerk des Hauses der Igel erfahrene Ansprechpartner. Auch die Auffangstation für Reptilien und Exoten vermittelt in Fragen zum Wildtierschutz regional weiter.

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Naturnahe Gartengestaltung als langfristige Strategie

Ein wirklich igelfreundlicher Garten ist kein Projekt, das man einmal abschließt – er entwickelt sich. Wer langfristig denkt, kombiniert strukturelle Maßnahmen mit einer pestizidfreien Pflege und schafft damit nicht nur Lebensraum für Igel, sondern für ein breites Spektrum an Nützlingen: Laufkäfer, Erdkröten, Eidechsen und zahlreiche Vogelarten profitieren von denselben Strukturen.

Wertvolle Impulse für naturnahe Gartengestaltung bieten unter anderem Initiativen wie Trees for All, die mit Aufforstung und Bildungsarbeit Biodiversität auf lokaler Ebene stärken. Wissenschaftliche Grundlagen zu Mehlwürmerpopulationen und deren Bedeutung für die Nahrungskette von Wildtieren liefern Forschungsprojekte wie das IGF-Projekt InsectDry sowie Studien der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg zur nachhaltigen Ressourcennutzung.


Wer einen Gartenbereich für Katzen attraktiver gestalten möchte, ohne gleichzeitig den Igel zu gefährden, findet beim EigenArt Katzenhaus Hinweise auf art- und wildtierschonende Auslaufgestaltung. Die Grundregel ist einfach: Katzenzäune, die ein Überklettern verhindern, schützen gleichzeitig kleinere Wildtiere im Garteninneren.