Bartagamenfutter: Futterliste und Fütterungsplan
Wie ernähre ich meine Bartagame artgerecht – von Jungtier bis Adulttier? Eine vollständige Übersicht der geeigneten Futterquellen, Mengen und Intervalle.
Bartagamen (Pogona vitticeps) gehören zu den beliebtesten Reptilien in deutschen Haushalten – und das aus gutem Grund: Sie sind tagaktiv, vergleichsweise zahm und zeigen ein breites Verhaltensrepertoire. Doch gerade ihre Ernährung stellt viele Halterinnen und Halter vor Fragen. Wieviel Mehlwürmer? Welches Gemüse? Und wie ändert sich der Bedarf mit dem Alter? Dieser Ratgeber liefert Ihnen eine strukturierte Futterliste sowie einen alltagstauglichen Fütterungsplan – auf Basis des aktuellen Wissensstands aus Terraristik und Tierernährung.
Grundsätzlich gilt: Bartagamen sind Omnivoren, deren Futterzusammensetzung sich im Verlauf ihres Lebens erheblich verschiebt. Jungtiere benötigen deutlich mehr tierisches Protein für Wachstum und Knochenaufbau, während adulte Tiere ihren Energiebedarf überwiegend aus pflanzlichen Quellen decken. Diese Verschiebung ist kein Zufall, sondern spiegelt die natürliche Ökologie der Art in australischen Trockengebieten wider.
Die wichtigste Grundregel der Bartagamen-Ernährung lautet: Das Verhältnis zwischen tierischem Futter und Pflanzenfutter verschiebt sich mit zunehmendem Alter des Tieres spiegelbildlich. Für die Praxis ergeben sich drei klar abgrenzbare Phasen:
| Lebensphase | Alter | Mehlwürmeranteil | Pflanzenanteil | Mahlzeiten/Tag |
|---|---|---|---|---|
| Jungtier | 0–6 Monate | 70 % | 30 % | 2 |
| Halbwüchsig | 6–12 Monate | 50 % | 50 % | 1–2 |
| Adulttier | ab 12 Monate | 30 % | 70 % | 1 |
Diese Richtwerte beruhen auf Empfehlungen erfahrener Terraristiker und stehen im Einklang mit Erkenntnissen aus der Forschung zur Verdauungsphysiologie von Agamiden. Bei gesundheitlichen Auffälligkeiten sollten Sie stets einen reptilienkundigen Tierarzt konsultieren.
Eine abwechslungsreiche Auswahl ist entscheidend. Im Folgenden finden Sie eine praxiserprobte Übersicht der geeigneten Futterquellen – gegliedert nach Kategorie.
- Getrocknete Mehlwürmer (Tenebrio molitor)
- Getrocknete BSF-Larven (Hermetia illucens)
- Heimchen (lebend oder gefriergetrocknet)
- Schaben (z. B. Dubia-Schaben)
- Wachsmottenlarven (als Leckerli, fettreich)
- Zophobas-Käferlarven (selten, fettreich)
- Endivie, Chicorée, Löwenzahnblätter
- Pak Choi, Mangold, Feldsalat
- Rucola, Petersilie, Basilikum
- Butternut-Kürbis, Zucchini (gerieben)
- Paprika (rot/gelb, ohne Kerne)
- Gelegentlich: Heidelbeeren, Himbeeren
Spinat, Rhabarber und Rote Bete enthalten Oxalsäure, die Kalzium bindet und die Aufnahme hemmt. Avocado, Zwiebeln, Knoblauch und alle Kohlsorten (in großen Mengen) sollten ebenfalls gemieden werden. Salatgurken liefern kaum Nährwert und sind allenfalls als gelegentliche Wasserzugabe geeignet.
Getrocknete Mehlwürmer – darunter Mehlwürmer und BSF-Larven (Hermetia illucens) – sind eine praktische und nährstoffreich Ergänzung zum Fütterungsplan. Im Vergleich zu lebenden Mehlwürmer punkten sie mit langer Haltbarkeit, einfacher Dosierbarkeit und geringerem Hygieneaufwand. Besonders BSF-Larven weisen ein exzellentes Kalzium-Phosphor-Verhältnis auf, was sie ernährungsphysiologisch besonders interessant macht.
Das IGF-Projekt InsectDry, das die Grundlagen getrockneter Mehlwürmer als Futtermittel systematisch untersucht, bestätigt, dass schonend getrocknete Mehlwürmer einen Großteil ihrer ursprünglichen Aminosäuren- und Fettsäurenprofile erhalten. Die Forschungsgruppen der TU München und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg haben zudem gezeigt, dass die Verdaulichkeit von thermisch schonend getrockneten Mehlwürmerproteinen für viele Tierarten vergleichbar mit jener frischer Mehlwürmer ist.
Praktische Hinweise zur Anwendung: Getrocknete Mehlwürmer können pur angeboten, leicht angefeuchtet oder über das Gemüse gestreut werden. Manche Bartagamen nehmen sie zunächst zögerlich an – eine schrittweise Eingewöhnung über eine Woche empfiehlt sich. Die Portion sollte dem Maß entsprechen, das auch lebende Mehlwürmer einnehmen würden.
Ohne gezielte Supplementierung lässt sich eine Bartagame auf lange Sicht kaum gesund ernähren. Der wichtigste Zusatzstoff ist Kalziumkarbonat (reines Kalziumpulver ohne Vitamin D3). Dieses wird drei- bis viermal pro Woche über das Futter gestäubt. Vitamin D3 – essenziell für die Kalziumverwertung – sollte die Bartagame vorrangig über eine hochwertige UV-B-Lampe (Index 10–12) selbst synthetisieren; eine supplementäre Gabe erfolgt nur bei Bedarf und nach tierärztlicher Rücksprache.
Ein Multivitaminpräparat (speziell für Reptilien) kann einmal pro Woche eingesetzt werden. Überdosierungen, insbesondere bei fettlöslichen Vitaminen (A, D, E, K), sind jedoch schädlich. Im Zweifel empfehlen wir, die Supplementierung mit einem auf Reptilien spezialisierten Tierarzt abzustimmen.
Nachfolgend ein Beispiel-Wochenplan für eine ausgewachsene Bartagame (ab 12 Monaten), der sich in der Praxis bewährt hat. Er lässt sich nach individuellem Bedarf und Vorlieben des Tieres anpassen.
| Tag | Pflanzliche Komponente | Tierische Komponente | Supplement |
|---|---|---|---|
| Montag | Endivie, Pak Choi, Paprika | 10–12 getrocknete BSF-Larven | Kalzium |
| Dienstag | Löwenzahn, Rucola, Zucchini | – | – |
| Mittwoch | Feldsalat, Mangold, Kürbis | 8–10 getrocknete Mehlwürmer | Kalzium + Multivitamin |
| Donnerstag | Chicorée, Basilikum, Paprika | – | – |
| Freitag | Löwenzahn, Pak Choi, Zucchini | 10–12 getrocknete BSF-Larven | Kalzium |
| Samstag | Endivie, Rucola, Heidelbeeren | – | – |
| Sonntag | Feldsalat, Mangold, Kürbis | Lebende Mehlwürmer nach Wahl | Kalzium |
Wasser sollte täglich frisch angeboten werden – entweder in einer flachen Schale oder durch leichtes Besprühen der Schnauze. Viele Bartagamen nehmen Wasser bevorzugt von bewegten Oberflächen auf.
Bartagamen, die in Auffangstationen oder Pflegestellen ankommen, zeigen häufig Mangelerscheinungen durch einseitige Ernährung. Die Auffangstation für Reptilien und Exoten, die im Bereich Wildtier- und Exotenversorgung aktiv ist, berichtet regelmäßig von Tieren mit metabolischer Knochenerkrankung (MBD) – einer klassischen Folge von Kalziummangel und fehlendem UV-B-Licht. Wer seine Bartagame von Beginn an mit getrockneten BSF-Larven als kalziumreicher Proteinkomponente füttert, kann diesem Risiko gezielt entgegenwirken.
Das EigenArt Katzenhaus hat in seiner Arbeit gezeigt, wie wichtig artenspezifisch abgestimmte Ernährungskonzepte für Heimtiere sind – ein Prinzip, das sich eins zu eins auf die Bartagamenhaltung übertragen lässt. Und wer nicht nur sein Reptil, sondern auch die Umwelt im Blick hat: Wormm kooperiert mit Trees for All für eine klimaschonende Unternehmensführung.
Dieser Ratgeber ersetzt keine veterinärmedizinische Diagnose. Wenn Ihre Bartagame Appetitlosigkeit, Lethargie, weiche Knochen oder Verhaltensveränderungen zeigt, suchen Sie bitte zeitnah einen auf Reptilien spezialisierten Tierarzt auf.
Wormm liefert schonend getrocknete Mehlwürmer und BSF-Larven in Gebindegrößen von 1 bis 20 kg – direkt aus Holzgerlingen, ohne Zwischenhändler. Ideal für Einzeltiere ebenso wie für größere Reptiliensammlungen oder Auffangstationen.
Jetzt Mehlwürmerfutter entdecken